16. Okt 2007 - 1148 W - + 7 - 7 Allmachtsfantasien zwecks Vereinfachung des Lebens
Ist ja unglaublich, über wie viele Dinge man sich ständig aufregen müsste, sprich, darüber bloggen müsste. Das schaff ich gar nicht. Man müsste sich ärgern über die SVP-Wahlkampagne, obwohl man ja nichts anderes erwartet hat – also sich künstlich aufregen – und darüber hinaus müsste man sich ereifern über die Medienberichterstattung im Ausland bezüglich der Wahlen (obwohl man auch da eigentlich nichts anderes erwartet hat). Ohnehin müsste einem ja jedes Mal der Kragen platzen, wenn man eine Zeitung aufschlägt. Als Mensch, der am gesellschaftlichen Leben interessiert ist (tönt holprig, auf englisch würde ich einfach sagen: as a man who cares), kann man eigentlich gar nicht anders, aber es wird doch mit der Zeit ermüdend. Ist auch alles so kompliziert. Ich hätte mittlerweile nichts mehr dagegen, wenn man mich bitten würde, mal eben die Alleinherrschaft über dieses Land zu übernehmen. König David. («Die Frauen spielten und riefen voll Freude: Saul hat Tausend erschlagen, David aber Zehntausend.» – 1 Samuel 18,7) Es wäre absolut viel einfacher. Ich würde als erstes ein generelles Hundeverbot erlassen. Nix Maulkorb, notschlachten, den Scheiss. Und alle, die bereits einen Hund besitzen, müssten 1000 Franken pro Besitzjahr an den Staat sühnen, für das Leid, das sie jeden Tag ihren lieben Mitmenschen zugefügt haben mit diesen Dreckskötern. Das tönt jetzt nach viel, ist es aber nicht: einmal den Nachbarn anbellen pro Tag kostet etwa drei Stutz, das ist doch noch recht billig. Sollte sich der Mob erfrechen, sich gegen diesen Erlass zu versammeln, würde eine solche Demo nicht bewilligt und das Zuwiderhandeln mit einem massiven Polizeiaufgebot brutal niedergeschlagen. Ansonsten wäre ich aber ein ganz Lieber, wie sichs für einen König David gehört. Ich würde zum Beispiel sofort das Rauchen in SBB-Waggons wieder tolerieren, und explizit auch das Kiffen. Vor allem aber würde ich etwa 50% der Gesetze einfach mal abschaffen und sehen, was passiert. Strassenmusikanten würden nicht nur geduldet, sondern gefördert. Die Passanten, die auf diese Weise belästigt würden, hätten aber das in der Bundesverfassung verankerte Recht, jederzeit einem richtig schlechten Strassensänger eine Socke ins Maul zu stopfen. Beispielsweise dieser Idiot, der in der S-Bahn von Zürich nach Winterthur einsteigt und uns mit hurenschlecht gesungenen Mani-Matter-Liedern «etwas Farbe in den grauen Alltag bringen» will, dem gehört eine ganze Baumwollplantage ins Maul gestopft. Was ich damit sagen will: Ich wünsche mir eine von der Gesetzgebung her liberalere Gesellschaft, in welcher die entstanden Freiräume entweder durch Eigenverantwortung oder dann durch soziale Kontrolle reguliert werden. Will heissen, wenn einer sich daneben benimmt, soll er von den umstehenden Personen zur Vernunft gebracht werden, statt dass jeder die Faust im Sack macht und irgendwann einer die Polizei oder seinen Anwalt anruft. Ich würde mich wohl, so als beliebter König, nur recht vorsichtig an die grossen Dinge herantasten. Anfangen würde ich – nach dem Hundeverbot – zum Beispiel mit dem hueren Kack auf den Zigarettenpackungen: «Rauchen ist tödlich». Stattdessen würde ich in einem dicken rosaroten Rand draufschreiben lassen: «Leben ist tödlich». Wenn nämlich Rauchen wirklich tödlich wäre, dürften Raucherwaren konsequenterweise gar nicht verkauft werden. Dieser scheinheilige Quatsch, an dem der Staat scheinheiligerweise noch kräftig mitverdient, hätte unter König David ein abruptes Ende.
Die Schweiz würde selbstverständlich neu auftgeteilt. Die Steuerschwindler und Neinsager aus Obwalden, Zug und Schwyz würden nahtlos in den Kanton Zürich eingegliedert. Es gäbe vielleicht noch folgende Kantone: Zürich, Bern, Basel, Ostschweiz, Tessin, Genf, Jura, Waadt. Jeder könnte einen Bundesrat stellen, der vom Volk direkt gewählt würde. Wobei der Bundesrat als Gesamtes zu 100% mir unterstellt ist. Ich bräuchte den lediglich, damit ich mich nicht um jeden Scheiss selber kümmern muss und auch ab und zu mit Kollegen Fussball spielen gehen kann.
Für bestehende, aber durch meine Diktatur vollkommen überflüssig gewordene Politiker würde ein Beschäfitigungsprogramm ins Leben gerufen. Christoph Mörgeli könnte in Second Life eine Schweiz nach seinen Vorstellungen gestalten. In dieser Schweiz gäbe es keine Ausländer, keine Sozialschmarotzer, keine Drogenabhängigen, keine Kriminalität, keine Linken, und es wäre alles so dermassen langweilig, dass sie keiner betreten würde und Mörgeli seine ganze Schweiz ganz alleine für sich und sein Trudi/Heidi/Vreni hätte. FDP-Politiker könnten unter mir endlich beweisen, dass sie tatsächlich Bildung für alle wollen und viel mehr in den Rohstoff Bildung investieren, und sie könnten dafür schauen, dass die Schweiz die bestausgebildetsten Leute der Welt hat. Ich hätte da allerdings ein paar Bedingungen: Kinder sind Kinder und nicht zukünftige Human Resources, ausserdem muss nicht jeder einen Uniabschluss haben, sondern die Berufslehrgänge müssen was taugen. Die SP-Überzähligen könnten beweisen, dass sie genau so grün sind wie die Grünen. Die Ideen zur sozialen Gerechtigkeit brauchts nicht, das ist Chefsache. Wenn man die SP hier ranlässt, gibts viel zu viele Gesetze, Reglemente, Zusatzverordnungen, flankierende Massnahmen und Zusatzverordnungen zu ergänzenden Artikeln in Zusatzgesetzen. Kulturföderung, ein weiteres Anliegen der Linken, ist schon ok, aber unter King Dave würde das ein bisschen anders laufen, NÄMLICH:
In der Prinarschule lernt jeder Schüler und jede Schülerin ein Instrument sowie anständig singen, und bekommt einen Kanon der wichtigsten 100 Alben der U-Musik auf die Ohren. Keine Zeit mehr zum Fernsehen? Kümmert «Il Presidente» herzlich wenig. Musik wäre die erste Fremdsprache in der Schule, noch vor Englisch und Französisch – da hätten auch Ausländer eine Chance. Gewalt auf den Schulhausplätzen wäre übrigens wieder voll ok, so wie es das zu meiner Zeit auch war. Indem die Schüler sich nach Herzenslust prügeln dürften, ohne dass ein Schulpsychologe nachher stundenlange Einzelgespräche führen würde, würde ein normales Empfinden für die Grenzen von körperlicher Gewalt heranreifen und es müssten nicht plötzlich Jungs mit 17 Jahren jemanden spitalreif schlagen. Doch ich schweife ab. Kulturförderung: Auch Malen, Fotografie, Sport und Theater hätten in der Schule Platz. Es interessiert mich einen Scheissdreck, ob das für die Wirtschaft gut ist oder nicht, es muss für die Menschen gut sein. Staatliche stattliche Förderprojekte: da gäbe es immer noch Geld in Mengen, aber man müsste schon was dafür bieten. Ideen-Wettbewerbe statt Giesskannenprinzip. Die Jury würde bestehen aus mir, König David, David I., und naja, vielleicht noch ein paar Leute mit gesundem Menschenverstand, zum Beispiel Max Küng oder John Travolta (kleiner Scherz). Feuilletonisten, Kunstgestudierte und sonstiges Gesindel zwecklos.
Ich könnte jetzt noch weitermachen, aber es ist schon spät. Regieren ist ein zeitintensiver Job. Gute Nacht.
habe mich gekugelt…. sehr gut!!
Lianne - 31. Oktober 2007 - 20:17