02. Jul 2009 - 399 W - + 5 - 6 Die Staatsbürokratie als solche
Wir schreiben das Jahr 2005, der junge Mann, endlich von der Sinnlosigkeit seines Germanistikstudiums befreit, will arbeiten und wirken. Leider ist da weit und breit keine Arbeitsstelle. So arbeitet der junge Mann für ein einzelnes Projekt auf selbstständiger Basis. Naiv, wie der junge Mann als solcher ist, denkt er, er könne am Schluss einfach eine Rechnung schreiben, der Auftraggeber bezahlts, und gut ist. Doch der junge Mann hat nicht mit der Staatsbürokratie gerechnet.
Später, viel später. Mitte 2009, der junge Mann ist nun nicht mehr ganz jung, erhält derselbe ein Schreiben von der Sozialversicherungsanstalt. Die Sozialversicherungsanstalt hätte vom Steueramt erfahren, dass die AHV-Gebühren von jenem Auftrag aus dem Jahre 2005 noch nicht entrichtet worden seien. Das stimmt tatsächlich, aber das hat dem jungen Mann ja auch keiner gesagt, dass Nebenerwerb auch noch AHV-versteuert werden muss. Freilich nur, wenn man den Nebenerwerb überhaupt bei der Steuererklärung angibt, was der ehemalsjunge Mann hierbei wohl zum ersten und letzten Mal getan hat. Die Sozialversicherungsanstalt erbittet den nun nicht mehr ganz jungen Mann mit staatsgewalttätigem Nachdruck, den sechsseitigen Fragebogen zur selbstständigen Erbwerbstätigkeit auszufüllen. Der nicht mehr ganz junge Mann füllt den Fragebogen aus, so gut er kann, obschon er beim besten Willen nicht weiss, welche Eigenmittel und welche Handelsregisternummer seine Firma, die es ja gar nicht gibt, denn nun hat.
Sehr kurz darauf, praktisch postwendend: Die Sozialversicherungsanstalt hat die ausstehenden AHV-Beiträge errechnet. Zack, vierhundert ungrad nachzahlen. Die Rechung komme mit separater Post. Ja, die Couvert- und Portokontingente der Amtstelle müssen ja auch irgendwie ausgeschöpft werden, schon klar.
Noch kürzer darauf, quasi postserienfeuernd: Die Rechnung, zahlbar innert 14 Tagen, zack, fünfhundert ungrad. Fünfhundert? Ungläubig prüft der nicht mehr ganz junge Mann, ob denn auf AHV-Gebühren noch 7,6% Mehrwertsteuer draufgeschlagen wird. Aber es sind etwa 20%, die da draufgeschagen werden. Grund: Verzugszinsen. 5% pro Jahr. Und da das Steueramt vier Jahre gebraucht hat, um der Sozialversicherungsanstalt mitzuteilen, dass hier AHV-Beiträge fehlen, oder umgekehrt die Sozialversicherungsanstalt vier Jahre gebraucht hat, um eine entsprechende Auskunft beim Steueramt einzuholen, summiert sich das natürlich. Nicht, dass mir diese siebzig ungrad Verzugszinsen irgendwie finanziell schaden würden. Aber es ist schon bemerkenswert, dass die Staatsbürokratie Geld einfordert dafür, dass sie Pendenzen jahrelang verschlampt. Wie heisst es doch so schön: Zeit ist Geld.