29. Mai 2009 - 3255 W, 17 I - + 7 - 6 Bildungsreise nach München
Die Teilnehmer dieses viertägigen Seminars:
Das GehirnDas Gehirn unserer Gruppe ermöglichte uns anderen, 4 Tage lang völlig hirnlos kreuz und quer durch München zu torkeln und am Schluss doch immer am rechten Ort hinzupflatschen. Noch treffender für das Gehirn wäre freilich die Bezeichnung "Unser Führer" gewesen, denn das Gehirn führte uns vier Tage lang traumwandlerisch sicher durch München. Da dies aber politisch heikel ist – besonders wenn der Bayernfan das Gehirn im Suff überschwänglich als Grösster Führer aller Zeiten (Gröfaz) bezeichnet, lassen wir das mal.
Der BayernfanEr ist sich nicht zu schade, jedes Wochenende Hunderte bis Tausende von Kilometern Reiseweg auf sich zu nehmen, bloss um irgend einen komplett unbedeutenden Fünftliga-Grottenkick live vor Ort zu sehen. Neben dem FC Bayern, dem FC Bayern II, der Frauenmannschaft des FC Bayern und wahrscheinlich auch dem FC Bayern IIIa reist er auch gerne YB, der Schweizer Nati und sogar der deutschen Mannschaft hinterher. Wenn die mal nicht spielen, darf es aber auch gerne österreichische fünfte Liga sein. Der Bayernfan betet fünf Mal täglich mit ausgerolltem Fanschal in Richtung Münchner Olympiastadion und versteht eine Menge Spass, solange es nicht um seinen ruhmreichen FC Bayern geht.
Der WebstüblerAuch bekannt unter dem Künstlernamen Bannerschubser. Der Webstübler als solcher (also einer, der diesen Beruf ergreift), ist ja an sich schon ein eher einfaches Gemüt, aber wenn er zufälligerweise auch noch Schlagzeuger ist (wie in diesem speziellen Fall), dann machts in seinem Kopf nur noch Um-Tata. Beim Webstübler gilt darum: Um-Tata gut, alles gut.
Der Verfasser
Der Verfasser dieses ganz grossen Reiseberichts.
Donnerstag
Paulaner Brauerei (Nockherberg)Die bot sich so an, lag da so rum, diese Hure, gleich neben dem Hotel. Da besuchten wir sie halt (nicht, dass ich mit der Entscheidung irgendwas zu tun gehabt hätte). Wenig überraschend wird dort Paulanerbier in bayrischen Massen ausgeschenkt, dazu gibts biergartentypisches, höchst sonderbares Zeugs wie Currywurst und Obazta. Letzteres hat anscheinend nichts mit dem neuen Präsidenten der USA zu tun, sondern ist eine Käse-Butter-irgendwas-Paste, die zusammen mit der Brezn (bayrisch korrekter Ausdruck für Bretzel) gemampft wird. Ist gross.
Der Bayer als solcher hat ja das Prinzip der Dezimalstelle noch nicht wirklich begriffen. Das Zahlensystem dieser Frühkultur kennt nur natürliche Zahlen der Menge N, von 1 bis unendlich. Daher ist es in München unmöglich, Bier in nicht-ganzzahligen Litermengen zu trinken. Die kleinste Masseinheit ist «a Moss» = 1 Liter. Beim Weissbier ist es zwar möglich, nur einen halben Liter zu bestellen. Aber der Bayer als solcher weiss nicht, dass es sich dabei um 0,5 Liter handelt - für ihn ist das «a Weissbia» (Mengeneinheit: 1).
Sowohl Essen als auch Bier mundeten. Die Stimmung war noch relativ nüchtern, aber sonst schon schwer okay. Obschon es dem Bayernfan und dem Webstübler an jeglicher Vergleichsmöglichkeit gebrach, verteilten sie für den Biergarten wacker Punkte auf einer Skala von 1 bis 10 (7 resp. 8). Im weiteren Verlauf der Biergartentour entblödeten sich die beiden auch nicht, sogar halbe Punkte zu verteilen. Mit seriösem Gastrojournalismus, wie der Verfasser ihn hier betreibt, hat das freilich nichts zu tun. Dem Bayernfan fehlten freilich die Servierdüsen mit weitem Dirndl-Ausschnitt, dem Webstübler die Blaskapelle als solche. Personal erblickten wir nur von weitem: asiatisch (1.20 Meter) und afrikanisch (1.70 Meter) - beides wirkt im Volldirndl leicht skurril. Das Gehirn tut so, als ob es sich Sorgen mieche über die Trinkfestigkeit des Schweizers an sich, dabei ist es bekanntlich das Gehirn als solches, welches durch Alkohol am meisten havariert wird.
Schon dämmerte es mir, was mit dem Ausdruck «Mass halten» auch noch gemeint sein könnte. Fürs erste mal ausreichend gekäppelt, gehen wir müssig in Richtung Ostfriedhof und von dort in den Englischen Garten.
Chinesischer TurmDer Chinesische Turm gehört logischerweise zum Englischen Garten und wird noch logischererweise von einer original Boarischn Blaskapelle bewohnt. Das gefällt natürlich dem Webstübler. Der zugehörige Biergarten als solcher kommt etwas weniger gut weg. Allzu arg der Massenbetrieb, ein Platz an der Sonne erweist sich nicht unbedingt als Vorteil, der Verfasser blickt in Richtung Webstübler statt attraktives weibliches Wesen. Scheissgarten. Das Weissbier, wo «Münchner Kindl Weissbier» draufsteht, ist freilich okay. Der Webstübler vergibt trotzdem nur 6 Punkte - klar, er versucht, sich durch eine pseudokritische Haltung einen Anstrich von Seriosität zu verleihen, und ebenso klar: der muss noch mehr saufen.
Der Platz an der Sonne hatten wir übrigens dem Umstand zu verdanken, dass das Gehirn sich nicht persönlich drum kümmern konnte. Das Gehirn musste Bier holen. Der Schweizer als solcher ist im Biergarten-Schattenparkieren noch nicht sonderlich geübt.
SeehausDas Seehaus liegt im Englischen Garten. Der Englische Garten ist gross. Der Bayer als solcher, den man im Seehaus (skandalöserweise) in besonders grossen Stückzahlen antrifft, ist freilich ein etwas schrulliger, aber durchaus liebenswerter Zeitgenosse. Der Bayernfan ist immer noch nicht sehr gesprächig und vergibt ohne Begründung einfach mal 7,5 Punkte. Tubel. Für den Webstübler ist das hier dasselbe wie der Chinesische Turm, einfach ohne Blaskapelle. Riesentubel. Der Verfasser klärt auf: Hier Schatten, hier Wurst gross, auch im übertragenen Sinne (da fast wie ein Cervelat), mit süssem Senf (gross), Haare an den Pommes Frites des Webstübler, Bier ist schon wieder Paulaner, und Fazit: der beste Biergarten bis jetzt. Logisch, der Promillegehalt des Kritikers war auch noch nie so hoch.


Interessantes Detail am Rande: Der Webstübler hat das Gefühl, wir hätten bereits 4 Biergärten besucht. Der verliert ja recht schnell den Überblick. Zum Glück bleibt der nur 3 Tage. Ausserdem beklagt sich der Riesenweichbecher schon über Druckstellen am Chnödli (für Deutsche: Chnödli ist NICHT das schweizerdeutsche Wort für Knödel) aufgrund des masslosen Masshaltens.
Auf dem, was der Bayer als solcher «See» nennt, aber bestenfalls ein Mückentümpel der gehobenen Mittelklasse ist (Winterthur lässt grüssen), treten wir kräftig in die Pedalen. Der Webstübler und der Bayernfan versuchen in ihrem suffgetriebenen Anfall von massloser Selbstüberschätzung Enten zu überfahren, was freilich nicht gelingt. Schön wars trotzdem.
Billard-Zentrale PripjatIch nenne sie jetzt einfach mal so, der Name scheint mir stimmig. Besteht aus: 1 Billardtisch, 1 Kicker (Töggelikasten) und diverser himmeltrauriger Spielautomaten. Gäste oder so was brauchts hier nicht, Musik oder Belüftung ebenso wenig. Letzteres ist nicht nur wegen der Hitze ein Mühsal, sondern auch, weil das Kompogas-Kraftwerk des Bayernfan mit einer unsauberen Verbrennung arbeitet und zu explodieren droht. In die Billard-Zentrale Pripjat darf man erst ab 18 rein – verständlich, es gibt ja auch keinen Alkohol hier, so dass jeder Minderjährige wohl auf der Stelle vor lauter Depressionen sterben würde. Der Kicker (Töggelikasten) legt das Verhalten einer Bad Bank oder gar eines Spielautomaten an den Tag - er schluckt zwar fleissig Geld, passieren tut dann aber nix.
Trotz alledem, und obwohl wir nicht Billard spielen können, tun wir genau das. Eisern und ausdauernd. Danach vergeben wir dem Lokal einstimmig Tiefstnoten.
Havanna-ClubFür einen Sozialistenclub ist der verdammt teuer. Kuba für Kapitalisten. Aber Alkohol ist ja gerade in Krisenzeiten ein sicheres Rohstoffinvestment, und der Stoff hier ist gross. Das merkt man auch an den giggelnden bis kreischenden Französinnen am Tisch hintendran. Die Musik ist auch ganz gross. Der Verfasser beeindruckt die anderen Hum-Tata-Banausen mit enzyklopädischem Musikwissen: Es läuft «War is coming!» von WAR, das erste Stück der Platinum-Jazz-Platte von 1977.
HotelbarDie Hotelbar als solche ist naturgemäss die letzte Station des Marathonsäufers (sofern er es überhaupt in sein Nachtlager zurück schafft). Die Hotelbar ist die Stunde der Wahrheit (und nicht etwa die Polizeistunde um 23 Uhr). Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Der Webstübler gehört definitiv zur Spreu, machte schon nach 2x Nippen am Whiskey Cola schlapp. Der Verfasser mügte zwar mehr verleiden, (hochdeutsch: er könnte mehr ab), hat aber die schlechte angewohnheit, Whiskey Cola im Fünfminutentakt zu leeren. Vor allem mit dem Röhrli drin. Das ist ja wie an der Mutterbrust saugen, da gibts dann kein Halten mehr. Gute Nacht.
Freitag
Weisses BräuhausDie Weisswurst als solche (dem Verfasser bisher nur als Coop-Ladenhüter bekannt) ist okay, sogar als Frühstück, aber i.A. und vom Webstübler und dem Bayernfan im speziellen überbewertet (9/10). Dem Verfasser ist nun mal der Kaffee und das Honigbrot als solches am Morgen heilig. Aber man passt sich in fremden Kulturen an, anders als der Deutsche als solcher. Beim Anpassen hilft es freilich, wenn das Bier das ausgezeichnete Schneider Weisse und die Servierdüse mütterlich (Bayernfan: «nett», Webstübler: «früher wohl eine Riesennummer») ist. Der Webstübler musste dann freilich die Düse auch noch fotografieren, freilich unscharf, was nicht ihrem Naturell entspricht. Er fand es ganz gross, dass man hier morgens vor elf Uhr freundlich und ohne jeden Sarkasmus gefragt wird, ob man
noch ein Bier nehme. Der Bayernfan wollte noch schriftlich vermerkt haben, dass High-Tech hier fehl am Platze sei, aber ich habe keine Ahnung, worauf er sich bezog.
HofbräuhausEine Art Indoor-Biergarten. Hat zwar auch einen nach eigenen Angaben «schönen Biergarten», was das Gehirn bemerkenswert fand, da es sich weder um einen richtigen Biergarten noch um irgend etwas Schönes handle. Beim Hofbräuhaus als solches gingen die Meinungen weit auseinander. Der Verfasser hielt das ganze für einen Touristenschuppen der übelsten Sorte - 15 Touristen pro Sekunde strömten dichtgedrängt neben seinem Massbier vorbei. Dieses war okay und als solches die Hauptsache. Dem Webstübler gefiel es hier über die Massen, was freilich nur an der Bloskopelle log. «An Professionalität und Authentizität nicht zu überbieten.» Die waren freilich etwa so authentisch wie Pamela Andersons Brüste. Aber sie machten ihren Job ausgezeichnet (ich meine jetzt die Musiker), das musste dann sogar der Verfasser zugeben. Der Wahrnehmungshorzont des Bayernfan war freilich etwas enger gefasst: Für ihn zählte nur, dass der Bierdeckel exakt den gleichen Radius aufwies wie der Masskrug. Das fand er ganz gross.
Fast hätten wir hier auch noch gespeist, aber der Bayernfan hatte dann irgendwie keine Lust auf einen «Preßsack» [sic]: er wusste nicht was es ist, und es tönte nicht sehr appetitlich. Der Preßsack heisst auf Schweizerdeutsch Schwartenmagen, liess ich mich von Wikipedia belehren, freilich musste ich dann auch Schwartenmagen nachschlagen. Appetitlich ist auch das nicht.
Pfälzer ResidenzDanach speisten wir – ich kann es noch immer nicht fassen – in einem bierlosen Lokal. Wahrscheinlich sah mittlerweile jeder von uns aus wie der Biersäufer als solcher, denn die Servierdüse wies uns sogleich warnend darauf hin, dass es hier kein flüssiges Brot gäbe. Eine Art Kombination aus Weinstube und Restaurant war das. Irgendwie feudal, aber trotzdem preiswert. Und gut. Bewertung gabs keine, da kein Bier. Danach schliefen wir auch noch in einem Café über einem Kaffee ein. Ausnüchtern am heiterhellen Nachmittag, um gestärkt den nächsten Biergarten in Angriff zu nehmen.
HirschgartenDer Hirschgarten ist gross. Der grösste Biergarten angeblich. Fünf Schänken, alles auf möglichst effizientes Besaufen ausgerichtet. Im Errichten von Effizienz ist der Deutsche als solcher ja ganz gross. Drum musste man auch die Bierhumpen irgendwo hinter einer Hütte selber holen, bevor man das Bier selber holen durfte. Das missfiel vor allem dem Bayernfan, der sich damit tröstete, im Jassen gewonnen zu haben. Jetzt in der Zwischensaison oder was auch immer, jedenfalls nix los, wars freilich sehr angenehm. Lauschig. Schönes Wetter. Das Gehirn hatte ein Problem mit dem Zigarettenautomaten, der ihn nicht für voll(jährig) nahm. Der Schweizer als solcher hat, auch wenn er noch so voll ist, kein Recht auf Kippen, denn der sufffreundlich beschriftete Automat verlangte irgend einen deutschen Personalausweis, den freilich keine Sau bei sich hat.



Schon bei unserer Ankunft in München fielen dem Verfasser die vielen komplett sinnfreien Hinweis- und Verbotstafeln auf. Umwelt als solche ist prinzipiell verboten, dafür ist das Anfahren von Hotelgästen erlaubt. Im Hirschgarten dokumentierte ich den vorläufigen Höhepunkt des Schilder-Dadaismus: es bedarf schon des Bayers als solchem, um mitten in einem komplett flachen, mehrheitlich im Sommer frequentierten Park eine ganzjährige Tafel mit der Aufschrift «Rodeln verboten» aufzustellen.
SchmausefalleGartenrestaurant, der Schweizer als solcher fühlt sich hier eher zu Hause als im Biergarten. Hier isst man sehr gut. Bier geht so. Atmosphäre gross. Schriftlich ist leider nichts überliefert, wir waren zu sehr mit schmausen und trinken beschäftigt.
HotelbarDas hatten wir schon. Dieses mal machte das Gehirn vorzeitig schlapp. Gute Nacht.
Samstag
HofbräukellerDer Bayernfan fängt nach 2 Tagen Biersaufen langsam an, sich zu artikulieren. Schon fast eloquent seine Gastrokritik:
Ambiente gut / eigentlich / allein der Kellener verdirbt 's halt /
obwohl er fünf Humpen in einer Hand halten kann /
Die Würste schmecken besser / als gestern /
kann aber auch der Senf sein.Die Bedienung findet auch der Webstübler unterdurchschnittlich, der Garten als solcher dagegen schön und die Würste gross. Ihn stört zunehmend der Fussballfan als solcher, während den Bayernfan naturgemäss nur der Stuttgartfan als solcher stört. Gestört sind sie freilich alle beide. Der Verfasser gibt zu Protokoll, der Kellner sollte a) eine Kellnerin sein und b) es unterlassen, seinen Rucksack mit Weissbier vollzusabbeln.
Grünwalder StadionHier besuchten wir ein Fussballspiel des ruhmreichen FC Bayern II. Es handelt sich dabei um Drittliga-Jungtalente, die dagegen anrennen, ewige Talente zu werden. Der Verfasser und scheint's auch der Webstübler und eventuell sogar die beiden anderen besuchen eh lieber kleine Fussballspiele als grosse. Das Grünwalder Stadion, 1911 gebaut und leider zum Abriss freigeben, ist freilich gross. Im einzigen Länderspiel der Stadiongeschichte zeigten hier am 12. Dezember 1926 die wackeren Eidgenossen mit einem gloriosen 3:2-Sieg dem Deutschen als solchem seine Grenzen auf. Heute eine baufällige Ruine, aber mit Charme. Die Resultatanzeige muss von einem eigens dafür Angestellten von Hand mit einem komplizierten Drahtseilaufzug aktualisert werden. Zum Glück für ihn gabs nur zwei Tore - 1:1 gegen die grossen Kickers Offenbach.
Irgend eine Bayern-KneipeHier schauten wir dann auf Leinwand den FC Bayern als solchen. War recht langweilig, der Bayernfan sah das natürlich anders. Der FC Bayern gewann. Das stimmte den Bayernfan sowie den Bayernfan als solchen milde, obwohls dann doch nicht zum Titel reichte. Bier gabs auch. Der Webstübler verliess uns an dieser Stelle. Der Juflisiech hatte es eilig, zurück in die Zivilisation zu kehren.
BergwolfEndlich am Ziel angekommen: Das Gehirn bestellt vor laufender Kamera die legendären «Pommes Schranke». Aber nicht so, wie es der Deutsche als solcher tun würde: «ICH KRIECH POMMES SCHRANKE!!!», sondern so ganz nett und bitteschön und mit einem Lächeln. Wahrscheinlich assimiliert er sich langsam in Zürich.
Der Deutsche als solcher spricht ja das Wort Pommes so aus, als ob es urgermanischen Ursprungs wäre. Die Frittes lässt er gleich ganz weg. In den wohlgeformten Ohren des Schweizers klingt das freilich ganz und gar falsch. Pommes Schranke klingt noch deutscher und bezeichnet Fritten mit einem Muster aus Ketchup (rot) und Mayo (weiss), sodass eine Bahnschranke (die freilich korrekt Barriere heisst) entsteht. Notiz im Bergwolf: «Der Deutsche als solcher gewinnt mit der Erfindung von Pommes Schranke sowie dem Begriff als solchen den Oltener Kleinkunstpreis.» Solche Sachen schreibt man halt, wenn man ein paar Bayerneinheiten intus hat.
Der, die oder das Bergwolf kriegt von allen Beteiligten 10 von 10 Punkten, freilich auch, um den Webstübler zu ärgern, aber nicht nur. Pommes Schranke mit Currywurst gut, Bier gut, Servierdüse mit optimalen Brüsten (Zitat Bayernfan), Leinwand für Fussballfans, quasi grosses Kino direkt bei der U-Bahn.
KulturellesDas Gehirn schleuste uns durch den Fäkalienmarkt und andere Shopping- und Touri-Tiefpunkte. Dabei musste man immer fein achtgeben, dass einem nicht so ein Konsumzombie vor die Füsse stolperte. An einer Auktion wurde nutzloser Kitsch wie Gartenzwerge mit Mindestgeboten von 4000 Euro versteigert. Gross. Das Gehirn scheint sadistisch veranlagt, schickte er uns doch in den Dallmayr hinein, wohlwissend, dass er sich selbst das nicht antun muss. Der Konsumzombie als solcher ist ja zumeist weiblichen Geblüthes und sexuell frustriert. Von denen hats im Dallmayr etwa 56 pro Quadratmeter, was auch für nicht klaustrophobisch Veranlagte zuviel ist.
Diejenigen unter uns, die mit einem dreidimensionalen Vorstellungsvermögen ausgestattet sind (Webstübler und der Verfasser), bestiegen dann auch noch einen grossen Kirchturm. Am Stachus waren wir auch (das Gehirn: Der ist groß, ja?!), an dessen Springbrunnen gabs Wet-T-Shirt-Contests von arg Minderjährigen – und dann noch auf dem Königsplatz (das Gehirn: Der ist groß!). Ja, gross ist er, aber das wars dann auch schon. Der Bayernfan hatte für die ganze Aktion kein Verständnis. Der Verfasser war zu ermattet, um sich in die Diskussion einzumischen.
FlaucherVon hier gibts keine handschriftlichen Notizen, und da wir schon ordentlich eine Fitze im Gesicht hatten, blabberten wir wohl auch nichts Gscheites. Als solcher ein schöner Biergarten auf einer Flussinsel. Kühl wars dann gegen Abend, in kurzen Hosen, trotz des ganz grossen Heizkraftwerks in der Nähe. Wir mussten zurück zur Hotelbar. Gute Nacht.
Sonntag
LöwenkellerFeudales Gebäude inmitten ungemütlicher Bürokomplexe, Gemütlichkeitsoase. Hier gabs dann zur Abwechslung mal Weisswurst mit Weissbier zum Frühstück - der Bayer als solcher ist ja unglaublich vielseitig. Wobei wir etwas spät dran waren, um früh zu stücken. Die Kellnerin deckte schonungslos auf, dass es ein Ammenmärchen sei, nach 12 Uhr keine Weisswurst mehr zu erhalten. Das komme von früher, als die Weisswürste nur ein paar Stunden haltbar gewesen seien.
Aus unerklärlichen Gründen fand der Bayernfan diesen Biergarten GANZ GROSS (9/10), selbst die «knorrige» Kellnerin. Stimmung «echt», was immer das heissen soll. Einen Punkt Abzug gabs nur für das Bier (Löwenbräubschütti). Der Senf war freilich besser als die Fertigpackungen im Hofbräukeller.
AugustinerkellerHier blieben wir sehr lange, weshalb wir am Sonntag nur gerade zwei Biergärten schafften. Dem Verfasser gefiels hier über die Massen, war auch schon bald wieder ausreichend gekäppelt. Nur so ist es zu erklären, dass er die fehlende Biergartenkultur in der Schweiz bedauerte. «So hat der Biergarten als solcher in der Schweiz Erfolg: Den Schweizer als solchen vom Kafi zum Weissbier umerziehen», dozierte er sinnlos. Der Schweizer als solcher mit einem
Pro-Kopf-Konsum von 57 Litern pro Jahr muss freilich noch viel lernen. Vom Deutschen als solchem (116 Liter, wobei der Stamm der Lederhosen bestimmt mehr trinkt), und natürlich vom Tschechen als solchem mit fantastischen 160 Litern. Zufälligerweise, befindet der Verfasser in feuriger Übereinstimmung mit dem Bayernfan, stammen aus diesen Landen auch die besseren Schneges, worauf das Gehirn entschieden widerspricht. Die Zürcherinnen seien schon auch groß. Aber alle künstlich aufgemöbelt, spottete verächtlich der Bayernfan, und fügte an, der Tscheche als solcher könne es sich finanziell nicht leisten, seine Schneges optisch zu frisieren. Der Verfasser möchte nachträglich anfügen, dass er das auch gar nicht nötig hat.
Bevor das Niveau noch ganz in den Augustinerkeller fiel, plampten wir in der Abendsonne Richtung Bahnhof. Gute Nacht.
