+ 2 - 0 | § ¶Deutschland, Deutschland über alles
Deutsche überschwemmen ja nicht nur «Malle» mit sich selbst, sondern auch weit weniger mediterrane Gebiete wie zum Beispiel Zürich. Das stört insofern, als ich zufälligerweise da wohne. Nun ist es keineswegs so, dass Deutsche hier negativ auffallen würden, sie geben sich auch sehr Mühe, dies nicht zu tun. Doch leider werden wir Schweizer Euch Deutsche trotzdem niemals so richtig mögen. Da könnt ihr eigentlich nichts dafür, das liegt einfach daran, dass der kleine Bruder den grossen immer als arroganter Grosskotz empfindet. Dass die Schweizer die Deutschen nicht mögen, hat etwa den gleichen Grund, wie die Schaffhauser/Winterthurer/Basler die Zürcher, und natürlich insbesondere die Stadtzürcher, nicht mögen. Allfällige weitere Gründe, die man anführen könnte, die Deutschen nicht zu mögen - der Phantasie sind hier ja keine Grenzen gesetzt - dienen lediglich als Vorwand, diesen Minderwertigkeitskomplex auszuleben. Der Grund, den ich zu diesem Zweck erfunden habe, ist zum Beispiel der, dass uns die Deutschen zu ähnlich sind, als dass sie eine kulturelle Bereicherung darstellen würden. Alle anderen Ausländergruppierungen (Italiener, Spanier, Türken, was auch immer) bringen ihre kulinarischen und sonstigen kulturellen Errungenschafen mit in die Schweiz, und das ist eine Bereicherung. Wir wollen aber keine deutsche Weisswurst fressen, denn wir haben bereits den Cervelat. Das ist etwas sehr ähnliches, nur besser.Nun ist mir eine geniale Idee in den Sinn gekommen, wie wir Schweizer, oder zumindest ich, mich an den Deutschen rächen kann: ich gehe nach Deutschland in die Ferien. Denn Deutschland ist ja ein ebenso unbekanntes wie wunderbares Land. Die deutschen Städte sind wohl die schönsten und angenehmsten weltweit (ich rede natürlich jetzt nicht Berlin, obwohl auch Berlin immer wieder mal eine Reise wert ist). Dazu gibts so faszinierende Landschaften wie die Lüneburger Heide. Ich reise möglicherweise in die Sächsische Schweiz und erkläre dort allen, dass die Sächsische Schweiz wohl der einzige Ort in Deutschland sei, wo man sich aufhalten könne, denn die Betonung liege ja auf Schweiz und nicht auf sächsisch, wobei ich heftig mit einer Schweizer Fahne wedeln würde. Unberührte, absurd romantische Landstriche im Land der Dichter und Denker, wie beispielsweise das Zittaner Gebirge, werde ich aus purer Rache und Hass auf die einheimische Bevölkerung durch meine Anwesenheit beflecken. Dabei interessiert es mich überhaupt nicht, dass die Deutschen, die in Zürich wohnen, keineswegs aus dem Zittaner Gebirge stammen, sondern aus dem Ruhrpott - Deutscher ist Deutscher. Natürlich werde ich mich in meinem Urlaub wie der unmöglichste Tourist aufführen. Zum Beispiel will ich keine Gelegenheit auslassen, zu jammern, wie teuer dort alles ist, und wenn ich dann widerwillig mein Portemonnaie (pardon, äh Verzeihung: meine Brieftasche) zücke, werden mir stets ein paar Hunderternoten auf den Boden fallen. Selbstverständlich wird es sich dabei nicht um dieses Euro-Zeugs handeln, sondern um harte Schweizer Franken, die ich aus Sicherheitsgründen auch im Ausland immer mit mir rumtrage und erwarte, dass sie als Zahlungsmittel akzeptiert werden - andernfalls werde ich mich lautstark beschweren. Auch werde ich die Gelegenheit nutzen, jedes noch so grosszügig angelegte Tempolimit im Strassenverkehr zu missachten, denn nur im Ausland ist dies so billig - genauer gesagt gratis, die Bussen braucht man ja nicht zu bezahlen. Durch mein flegelhaftes, subversives, geradezu kulturzersetzendes Verhalten als Tourist im schönen Deutschland werde ich diese Nation soweit psychisch destabilisieren, quasi mental in Schutt und Asche legen, dass sie bei den nächsten Wahlen spontan die NPD zur absolut stärksten Partei wählt und ... moment mal, will ich das wirklich? Ich muss mir das nochmals überlegen.
+ 1 - 1 | § ¶Der Experte
Leser fragen - David antwortet, Folge 6Frage: Sind Neujahrsvorsätze sinnvoll?
Antwort: Seit ich von 35- auf 17-Liter-Abfallsäcke gewechselt bin, stinkt es deutlich weniger in der Wohnung. Gut, vielleicht nicht weniger, aber immerhin anders. Heute morgen hat es zum Beispiel ewig lange nach Käse gestunken in der Küche, als ob einer am Vorabend Fondue gemacht hätte. Obwohl ich recht lange lüftete, bis die Temperatur merklich abgekühlt hatte (etwa auf -4 Grad), besserte sich die olfaktorische Gesamtsituation kaum. Erst als ich das Gagglon auf die Strasse geworfen hatte, liess die Belästigung nach.
