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+ 0 - 0 | § überbewertet

Ich weiss nicht, wie das alles begonnen hat. Vielleicht wars der Börsencrash von 2001. Aber eigentlich begann es erst später. Jedenfalls, seit ein paar Monaten oder Jahren ist plötzlich alles mögliche «überbewertet». Gemäss Google, die ersten 10 Treffer, sind derzeit «völlig überbewertet»: Schlafen, Musik, die Zukunft, Beate Uhse AG, Kanye West, Mountainbikes, Victoria Beckham. Ich kann dazu eigentlich nur sagen: das Wort «überbewertet» ist VÖLLIG überbewertet. Und wer es in meiner Gegenwart wagt, noch ein einziges verdammtes Mal «überbewertet» zu sagen, wenn nicht zufälligerweise von Aktien die Rede ist, dem stranguliere ich die Kehle flockig*, bis ihm Hören und vor allem dumm Schnurren vergeht. Diese scheiss elenden Dreckszyniker, die, wie Schafe blökend, jeden Ausdruck nachplappernd, schon eine Gehirnerschütterung kriegen, wenn ein Regentropfen auf ihr weiches Hirn tropft, diese Quartalszigarrenraucher, Möchtegern-Weltanalysten, Osama-Bin-Laden-Gutfinder, diese Ultratrendfuzzis, die das Gefühl haben, keine Trendfuzzis zu sein, weil dem Trend voraus, diese also allererbärmlichsten Kreaturen, die die moderne Gesellschaft hervorzubringen imstande ist ---

SOLLEN ENDLICH IHRE VERDAMMTE DRECKSFRESSE HALTEN!!!

So. Jetzt gehts mir besser.

* natürlich nur im literarisch-übertragenen Sinn, wobei das Ich des Ich-Erzählers im Bewusstsein postmoderner Brechungen der Erzählperspektive in gleichsam dekonstruktivistischer Weise unfassbar wird. Tscheggsch?

+ 0 - 0 | § Denkstörung

[aus Wikipedia]
Denkstörung, Kapitel Ideenflucht/Gedankenflucht

Das Denktempo ist erhöht, dem Betroffenen gehen sehr viele Gedanken in sehr kurzer Zeit durch den Kopf, teilweise auch mehrere Gedanken gleichzeitig. Dabei sind die Assoziationen gelockert, daher sind die Gedanken sprunghaft, die Themen wechseln ständig [...].

Genau DAS habe ich grad jetzt (ohne Drogenkonsum), und will diese Gedanken unbedingt festhalten, aber das ist schwierig. Trotzdem fühle ich mich nicht im Geringsten krank. Mir geht es sehr, sehr gut. Eigentlich geht es mir immer gut, wenn ich Gedankenflucht habe. Und es ist nicht durch Drogenkonsum hervorgerufene Euphorie. Heute schon den ganzen Tag: tiefe Zufriedenheit.

Der Grund? Ich habe ein neues Musikstück entdeckt, das meine geschundene Seele streichelt. Wenn ich es nicht gerade höre, dann habe ich es im Kopf. Ich könnte natürlich jetzt sagen, welches Stück das ist, und warum ich es so toll finde, aber Du weisst ja, wie das ist: andere können es nicht nachvollziehen, sie sind in einem anderen Zustand, fühlen anders und leben in einer anderen Welt. Und dann sind sie enttäuscht, dass sie nicht das gleiche Glück erleben können, und in ihrer Enttäuschung finden sie nicht nur die Musik blöd, sondern auch den, der diese so über den grünen Klee gelobt habt. Ist mir schon oft genug passiert. Drum, stell Dir einfach Dein Lieblingslied vor, und dann stellst Du Dir vor, dass Du es gerade zum ersten Mal hörst, und dann weisst Du, wie ich mich fühle. Vielleicht.

Wars jetzt das schon mit der Gedankenflucht? Scheint so. Wollte eigentlich noch tausend Dinge schreiben, etwa von der Presselandschaft in Sambia, die laut Wikipedia ihren Namen neuerdings verdient, und den Webseiten der sambianischen Tageszeitungen, die zwar hundslausig sind, aber nur schon die Tatsache, dass es überhaupt Zeitungen in Sambia gibt, die Berichte im Web veröffentlichen, ist doch ein Anlass zur Freude. Afrika wäre ja eh noch spannend, weil die vorwiegend in Englisch oder Französisch schreiben. Find ich bei aller Liebe für Kulturvielfalt noch gut, ich möchte jetzt nicht z.B. die 400 Sprachen lernen müssen, die allein in Nigeria gesprochen werden, obwohl das alles ja sehr interessant ist, auf Wikipedia (ich bin ein Wikipedia-Junkie) gibts feine Einträge zu Hausa oder auch Suaheli und Bantu-Sprachen im Allgemeinen. Abgesehen von Afrika nützt mir die Globalisierung im Web wenig, weil ich von allen asiatischen und arabischen Webseiten kein Wort verstehe, ja nicht einmal einen Buchstaben.
Gut verständlich, aber irgendwie trotzdem recht fremd: Miss-Wahlen in Neukaledonien (Achtung, dauert zwei Stunden!) Neukaledonien ist eine französische Kolonie. Ich würde mir ernsthaft überlegen, dort mal längere Zeit zu leben, wenn nur dieses Dengue-Fieber nicht wär. Mir ist schleierhaft, wie die Leute dort damit klar kommen. Die Mücke, die das Fieber überträgt, sticht am Tag. Der weisse unberührte Sandstrand ist doch recht viel weniger schön, wenn einem ständig die Aussicht blüht, jeden Moment von so einem kleinen Fiesling abgestochen zu werden. Ich will jetzt nicht einen auf Weichei machen, aber Dengue-Fieber ist nicht so lustig wie Malaria. Es gibt keine Impfung, und Antikörper machen alles nur noch schlimmer, wenn man von einer anderen Virus-Variante infiziert wird. Dann gibts so innere Blutungen, die im dümmsten Fall zum Tod führen. Das ist doch ein netter Grund, noch ein Weilchen in der Schweiz zu bleiben, abgesehen davon, dass ich unsere vier Jahreszeiten eigentlich sehr gut mag. Was wäre ein Frühling ohne vorherigen Winter?

S’ ist November, es beginnnt die dunkle, kalte und graue Zeit. Die Melancholie klopft an meine Tür, und warmherzig lasse ich sie herein. Sie ist ein schönes Wesen, das immer die Wahrheit sagt. Zum Beispiel, dass es wieder mal Zeit ist, es ruhiger zu nehmen. Dass man auch mal nachdenken könnte über die fixen Ideen, in die man sich verrannt hat. Oder dass man nicht so der geile Siech ist, für den man sich gehalten hat. Und auch schon mal gewusst, aber wieder vergessen: Dass man es alleine nicht schafft, dass man sich die Hand geben und zusammenhalten muss.
Auf das letzte Tram hätte es die Melancholie nicht mehr geschafft. Sie wohnt aber gleich gegenüber und übernachtet bei sich zu Hause.