+ 0 - 0 | § ¶Der Rest der Irlandgeschichte
Zuerst fuhr ich weiter nach Killarney. Ich wollte dort eigentlich drei Tage bleiben, aber die Unterkunft war so was von eine Zumutung, dass ich das Kaff schon am nächsten Morgen fluchtartig verliess. Klar hätte ich auch ein anderes Zimmer suchen können, aber Killarney als Ganzes war mir unsympathisch. Zwar hat es dort einen wunderschönen Park mit einem See und malerischen Bergen, aber der Ort besteht zu 100% aus Tourismus, Parkplätzen, überbelegten Restaurants und Bars. Sehr teuer. Der Park nennt sich Nationalpark, ist aber verglichen mit unserem Nationalpark winzig. Es ist einfach ein Stück Land, wo es wie bei uns begehbare Feldwege gibt, und ab und zu eine Sitzbank. Das reicht offenbar, um Killarney zu DER Touristenattraktion Irlands zu machen. (Flussweg) (Killarney See) (Schwäne)Das Wetter wechselte hier noch schneller als sonst in Irland. Die Wolken zogen wie im Zeitraffer vorbei. Dementsprechend fing es jedes Mal an zu regnen, wenn ich mich bei Sonnenschein etwas hinauswagte. So auch am Abend, als ich im Park ein Bierchen trinken wollte. Das war allerdings dann nicht das einzige Problem, wie sich herausstellte.
Eigentlich wollte ich ja in ein Pub. Aber eben. Scheiss überfülltes Touristenkaff. Also in den Supermarkt. Die Verkäuferin packte das Bier in eine Tüte, die Chips und den Schokoriegel hingegen nicht. So, als hätte ich etwas anstössiges gekauft, ein Schmuddelheft oder etwas ähnliches. Mir kam eine Hinweistafel ausserhalb von Dublin in den Sinn, dei besagte, es sei verboten, auf öffentlichem Grund Alkohol zu trinken. Ich redete mir damals ein, das sei nur in diesem noblen Vorort so. Jetzt allerdings schien es, als hätte Irland tatsächlich so ein bescheuertes Gesetz. Selbst Penner sah ich immer nur eine Colabüchse in der Hand halten.
Aber im Nationalpark, dachte ich, würde ich schon ein Plätzchen finden, wo nicht gleich ein Polizist auftaucht. Wassertropfen glitzerten im Sonnenlicht, die Wiesen leuchteten so grell, als seien sie von unten beleuchtet. Weit und breit kein Mensch. Das war es, was ich eigentlich in Irland suchte! Schön! Ich holte mein Bier hervor: Zischschsch! Und in diesem Moment kam aus dem Waldrand weiter vorne eine Frau. Ich nahm hastig einen Schluck und versteckte das Bier in der Tasche. Danach begegnete ich immer mehr Leuten und wurde immer paranoider. Je mehr ich das Bier versteckte, desto weniger konnte ich den Ahnungslosen spielen, wenn es tatsächlich Probleme geben sollte. Ich ging in den Wald, immer mit einer vollen, geöffneten Dose in der Jackentasche, ging etwas vom Weg ab, wo ich die Leute hörte, bevor sie mich sehen konnten. So schluckte ich verschämt an meinem Bier herum und wusste nicht, ob ich mich über mich selbst oder über die irischen Gesetze ärgern sollte. Noch bevor ich fertig war, begann es sintflutartig zu regnen. Ich stellte mich hinter einen Baum und dachte, das geht ja sofort wieder vorbei. Aber der Regen wurde immer stärker. Ich wechselte zum dicksten Baum in der Umgebung. Als es über eine halbe Stunde geschifft hatte, musste ich auch mal. Ausserdem wurde mir kalt und so langweilig, dass ich Freunde per SMS bat, mich zu unterhalten. Alle antworteten sofort. Das war super. Als die Fernunterhaltungen zu Ende waren, schien schon wieder die Sonne, und ich spazierte nach Hause, bzw. in mein Rattenloch (6er-Schlag mit pubertierenden Mädchen, ekliges Bad ohne warmes Wasser).
Am nächsten Morgen war ich in Tralee, so ziemlich das Gegenteil von Killarney. Ich fand nicht einmal ein B&B und zog weiter, nach Limerick. Dort blieb ich drei Tage. Limerick ist ebenfalls recht untouristisch, Luft zum Atmen. Absolut keine Internetcafes, während es sonst in Irland alle 100 Meter eines hat.
Ähem, die Iren sind ein sehr temperamentvolles, ausgelassenes Volk. Das ist nicht immer nur angenehm. Pubertierende Mädchen zum Beispiel sind ja bei uns schon eher nervig, aber dort ist das kaum zum Aushalten. Es gibt auch so viele. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Irland ist jünger als 30 Jahre. Einmal aber wars so jenseits, dass es schon wieder lustig war. Da ging ich an einer Gruppe von vier so Tschicks vorbei, und eine rief mir irgend etwas hinterher, das ich aber nicht verstand. Als ich das ignorierte und weiterging, klopfte mir die Göre mit Anlauf auf den Hintern. Mutprobe bestanden.
Am letzten Tag, zurück in Dublin, war ich noch im Zoo und im grossen Park rundherum. Der Zoo ist sehr schön. Auch am letzten Tag regnete es. Ich machte noch ein idyllisches Foto von der Leffey bei Ebbe. Ja, das riecht genau so, wie es aussieht!
Byebye, Irland.
Noch ein paar Fotos:Aussicht vom Castle Bunratty
Cork
Cork
+ 0 - 0 | § ¶Die grünen Auen
Wenn Du, liebe Leserin, mit mir Mitleid hast, so ist mir das insofern recht, als ich das nicht auch noch selber erledigen muss. Doch eigentlich bezwecke ich mit meinem irren Geschreibsel nicht, Euch an meinem Elend teilhaben zu lassen, sondern Euch zu erheitern. Lass also, lieber Leser, deiner naturbelassenen Schadenfreude freien Lauf und betrachte mich als den Steve-O des Individualtourismus.
Heute folgte eine weitere Episode der Irlandödie; doch um mir den Galgenhumor zu nehmen, muss dieses Irrland schon früher aufstehen.
Als ich heute früh aufstand, passierte etwas völlig Unerwartetes, was mich total perplexierte: Die Sonne schien. Als sich herausstellte, dasss ich mir den Fahrradverleih am Bahnhof nur eingebildet hatte, und auch entdeckte, dass mein vermeintliches Ausflugsziel Cobh mit dem Bus nicht erreichbar ist, war das eindrückliche Naturschauspiel (eben die Sonnennichtfinsternis) auch schon wieder vorbei.
Ich beschloss, mich den grünen Auen zu Fuss zu nähern. Von meinem Fenster aus sehe ich an einen sanften Hügel, der konnte nicht allzu weit sein. Ich marschierte los, durch die Stadt, durch die Vorstadt. Diese englischen=irischen Suburbs (tönt wie ein Rülpser, dieses Wort) bestehen ausschliesslich aus einstöckigen Reihenhäusern mit einem kleinen Vorgarten, der zu absolut nichts zu gebrauchen ist; im besten Fall kann man 1-2 Autos hineinstellen. Ohne Auto ist man in Irland, besonders in den Suburbs, genauso aufgeschmissen wie in den USA.
In Cork sind diese hässlichen Bauten wenigstens noch normal verputzt, zum Teil sehr farbenfroh. In Dublin hat oft der obere Teil des Hauses eine andere Farbe als der untere, wobei die Farben nicht zueinander passen. Der Verputz oben sieht meist aus wie ein Kieselsteinfeld.
Nach den Söbörbs kam Industriegebiet. Eine dieser Zonen, wo Fussgänger nicht vorgesehen und auch kaum geduldet sind. Ich konnte recht lange nicht in die Richtung gehen, in die ich wollte, weil es keine Abzweigung gab. Als sie dann kam, war es eine Autobahnbrücke (Fig. 1). Weiter gings zwischen Hundescheisse, Fabriken (Fig. 2) und Schrottplätzen (Fig. 3) zu einer Art Überlandstrasse. Jetzt hörte das Trottoir definitiv auf. Ich musste ständig vom einen Strassenrand zum andern hüpfen, je nachdem, welche Seite gerade weniger lebensgefährlich war. Es war wie ein Jump ’n’ Run-Game.
Was aber jetzt kommt, haut dem Bierfass den Boden raus. Eigentlich war ich schon lange an diesem Hügel, doch ich gelangte einfach nicht zu den saftigen Weiden. Bei der ersten Gelegnheit stellte sich heraus, dass die Strasse zu einer Privatsiedlung führt und mit einem Eisentor abgesperrt war (Fig. 4). Die Aue auf der anderen Seite dagegen war ein geschlossener Golfplatz. Ich ging noch weiter der unfreundlichen Strasse entlang, und was sah ich? Neue Suburbs! Cork hat etwa so viele Einwohner wie Bern, aber diese dämliche Einfamilienhausmentalität führt zu endlosen Siedlungen. Trotzdem, die Auen waren jetzt praktisch in Griffnähe. War auch langsam Zeit, ich hatte Hunger, Durst, war müde, musste pinkeln, das übliche halt, wenn man unterwegs ist. Doch als ich endlich das Ende jeglicher Einfamilienhäuser erreicht hatte, was sah ich da? Dadelida?
Ich sah eine
Chinesische Mauer (Fig. 5). Diese trennte das gesamte besiedelte Gebiet vom landwirtschaftlich
nutzbaren. Das erinnerte mich an die zahlreichen vorher gesichteten Schilder: This
is private ground. Transmissioners will be persecuted. Dazu kann ich eigentlich
nur sagen:
1. Fuck you
2. Noch 7 Tage, and then I will
Give Ireland
back to the Irish!
+ 0 - 0 | § ¶Regenland
Ich kenne ein Land, ein fernes Land, wo Milch und Marmelade in Strömen fliessen, ein Land voller gottesfürchtiger Bewohner, die zurecht sagen: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Das frische Wassser gibt es hier in allen möglichen Formen. Der Fachmann unterscheidet zwischen dem Gemeinen Dauerregen, dem Nordländischen Niesel, dem Plötzlichen Platzregen, der sogenannten Wasserbombe, der Fiesen Fontäne und dem waagrecht einfallenden Peitschenregen. Manchmal sieht es so aus, als ob der Spuk nun ein Ende hätte: der Himmel lichtet sich von schwarz nach grau, und vereinzelt glaubt das halluzinierende Auge blaue Löcher zwischen den Wolken zu entdecken. Jetzt oder nie, dachte ich heute morgen, *die* Gelegenheit, um sich wieder einmal auf die Strasse zu wagen. Doch kaum draussen, goss es, als ob einer seine Badewanne über meinem Kopf gekippt hätte. Nur dreissig Sekunden, aber es reichte: Obwohl mir die nette Frau vom Bed&Breakfast extra noch einen Schirm mitgegeben hatte, war damit auch mein drittes und letztes paar Hosen nass. Da spielte es eigentlich auch keine Rolle mehr, dass ein Lieferwagen im Vorbeifahren eine zwei Meter hohe Fontäne aufwarf, deren Niedergang auf mein Haupt frühere, schönere Urlaubserinnerungen aufkommen lies, nämlich vom Surfen am Atlantik. Das Abflusssystem hier in Cork ist nicht so ausgeklügelt; der Regen fliesst einfach in reissenden Strömen die steilen Strassen hinunter und sammelt sich auf der geraden Strasse unten.
Die grünen Auen sind bei diesem Wetter eben auch nicht so toll. Man hat irgendwann einfach keine Lust mehr, sich anpissen zu lassen und bleibt lieber in der Stadt oder gleich ganz im Bett. Ich weiss, das kann man sich schwer vorstellen mitten in einem heissen Schweizer Sommer, wo ein Gewitter nichts als eine nette Abkühlung wäre, noch dazu zuhause, mit unbegrenzt vielen trockenen Kleidern und von einem trockenen warmen Bürozimmer aus.
Darum bleib ich jetzt auch noch einige Tage hier. Die Pampa ist mir zu gefährlich bei diesem Wetter. Und schreibe halt so Scheiss. Dass es hier hundertmal einfacher ist, seine Texte im eigenen Blog zu veröffentlichen als die eigenen Kleider zu waschen, ist schon merkwürdig. Internetcafes gibts alle 50 Meter. Wäscherei: Die auf dem Touristeninfocenter hat mir einen heissen Tipp gegeben. Mal sehen.
+ 0 - 0 | § ¶Irrland
OK, ich bin jetzt 5 Tage in Irland, und es ist bis auf eine kurze, sehr kurze Ausnahme gestern abend immer kalt gewesen, und bis auf die erwaehnte Ausnahme gab es keinen einzigen Sonnenstrahl. Heute haette ich eine Velotour geplant, aber Velofahren macht nun mal maessig viel Spass, wenn es einem mit 150 km/h pro Stunde waagrecht ins Gesicht regnet. Was ich nicht bedacht habe, ist, dass Wandern unter diesen Umstaenden nur unwesentlich mehr Spass macht. Und so kam ich um 14 Uhr in der gewohnt schlechten Laune, die mit der gewohnt guten Laune aller Iren kontrastiert, voellig durchnaesst und mit dem Look & Feel einer Wasserleiche von Kinsale nach Cork zurueck, wo ich im Moment wohne.Wenn du in Irland dich an einem Ort befindest, an dem es warm und trocken ist, dann danke Gott dafuer und trinke ein Bier darauf. Wenn du nach zwei Wochen heil, ohne Lungenentzuendung zurueckkommst, weisst du, dass du ueber eine ausgesprochen gute Konstitution verfuegst. Womit wir bei einem faszinierenden Thema waeren, naemlich den Eingeboreren.
Der Ire an sich schwitzt bereits bei 10 Grad und weigert sich infolge dessen, bei schlechtem Wetter schlecht gelaunt zu sein, oder auch nur die Wohnung zu heizen. Nasse Kleider bleiben damit ein fuer allemal nass. Ermoeglicht wird dieses Phaenomen durch die Bauform des Iren. Die Konstruktion ist darauf optimiert, ein moeglichst ideales Verhaeltnis zwischen Koerpervolumen und Koerperoberflaeche zu erreichen. Deshalb verzichtet der Ire in der Regel auf einen Hals, denn dies bedeutet nur Waermeverlust durch unnoetige Oberflaeche. Die maennlichen Exemplare sehen infolge dessen wie ein Wuerfel aus, auf den man einen Knauf geschweisst hat (der Kopf). Die weibchen haben in der Regel die Form einer Kugel, womit das Verhaeltnis von Oberflaeche und Volumen perfektioniert wurde.
Wenn man schon so bloed ist, nach Irland zu gehen, dann ist Cork, soweit ich das jetzt ueberblicke, noch mit Abstand das Beste. Die Stadt ist ziemlich cool. In Dublin dagegen sollte man sich hoechstens 0,5 Tage aufhalten.
Schafe gibts uebrigens fast keine in Irland, das ist so ein Klischee, das von der Realitaet uberrollt wurde. Die Schafe wurden ausgewechselt und durch Kuehe und Rinder ersetzt. Damit verdient man einfach mehr. Schade eigentlich, doch ich bin ja nicht hierher gekommen, um meine etwas ausgefallenen sexuellen Vorlieben auszuleben.
Der Rest der Klischees scheint aber zu stimmen. Regen, Besoffene, Musik, undsoweiter.
In Kuerze mehr.
+ 1 - 0 | § ¶krankes Bier
Ich hab den Provider gewechselt und heute fast einen Tag gebastelt, bis das Weblog wieder lief. Dafür hab ich jetzt viel mehr Webspace und könnte euch wöchentlich mit neuen Gitarrenwichsereien nerven. Im Moment bin ich allerdings froh, wenn ich nichts tun muss. Eine üble Erkältung hat sich in meiner Wohnung breit gemacht. Trotzdem ist es nie unter 24 Grad. Sollte es aber theoretisch sein, damit das Bier gären kann, das ich letzten Dienstag Abend gebraut habe.
Für die Zubereitung von (obergärigem) Bier muss man mit sterilen Werkeugen werken, und am besten gleich selbst noch steril sein, was ich an jenem Abend ganz sicher nicht war. Erste Kostproben der Brühe lassen nichts Gutes erahnen. Merkwürdig ist auch die Stammwürze von 36%. Glaube ich dem Handbuch, was ich im Moment noch nicht tue, dann sollte das am Schluss einen Alkoholgehalt von 18% ergeben. Dabei hab ich genau so viel Zucker und Malz hinzugegeben, wie es in der Anleitung stand.
Eigentlich wäre es besser untergärig zu brauen. Das gibt erstens richtiges Bier, nicht so Altbier, und zweitens muss man nicht so auf die Hygiene achten. Dummerweise braucht man dabei eine Umgebungstemperatur von 4-9 Grad. In den Kühlschrank passt das Teil nicht. Warten auf Winter.
