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+ 1 - 1 | § Klimaschutz als Lifestyle

Und plötzlich redet jeder von der Klimaerwärmung. Man schaut dreissig Jahre lang zu, wie der Nordpol und die Gletscher schmelzen, wie die globale Temperatur zunimmt, wie Unwetter, Überschwemmungen, Stürme und Trockenheit zunehmen und findet das alles nicht weiter tragisch. Man macht sich lustig über die grünen Wollenpulli-Körnlifresser und ist froh, dass man, nach diesem Waldsterben-Fehlalarm, wieder unbesorgt Autofahren darf. Personen, die sinnlose Autofahrten mit einem 20-Liter-SUV weiterhin als fragwürdig betrachten, müssen mit einer Einweisung in die psychiatrische Klinik rechnen.
Und dann machts schwupp, und alles ist umgekehrt. Klimaschutz ist voll in, hey, und mit ihm der ganze restliche Umweltschutz auch. Nicht etwa, dass man weniger mit dem SUV herumdüsen würde. Aber man kauft sich einen Hybrid-Lexus, der nur 9 Liter auf 100 km verbraucht. Ausserdem wählt man grünliberal. Liberal, das tönt so nach wirtschaftsfreundlich, die würden einem nicht im Ernst den Spass verderben wollen. Und trotzdem hat man ein gutes Gewissen.

Alle unsere ökologischen Probleme rühren daher, dass wir zu viele Ressourcen verbrauchen. Mit «wir» sind alle Menschen der Industrienationen gemeint. Wir verbrauchen nicht nur zuviel Erdöl, sondern auch zuviel Wasser, Strom und Land. Der Strom, mit dem die Bahn oder Elektro-Autos herumfahren, ist nicht per se umweltfreundlich. Es kommt darauf an, wie umweltfreundlich dieser Strom hergestellt wird. Viele Länder vor allem in der dritten Welt produzieren Strom hauptsächlich dadurch, dass sie Erdöl verbrennen. Dann fährt man besser gleich mit Benzinmotoren, da ist der Wirkungsgrad höher. Noch schlimmer sind die vielen Kohlekraftwerke in China. Angeblich wird in diesem Staat jede Woche ein neues Kohlekraftwerk gebaut.
«Ja, dann kommt es auch nicht mehr so drauf an, ob ich jetzt noch ein bisschen mehr Auto fahre oder nicht.» Das ist auf den ersten Blick richtig, auf den zweiten jedoch falsch. Der Grund, warum China mit allen Mitteln eine Umweltkatastrophe herbeiführt, ist der, dass das Land gerne zu einer Industrienation aufsteigen möchte. Die 1,3 Milliarden Chinesen sollen eines Tages den gleichen Komfort haben wie wir. Das geht aber nicht, weil schon wir zu viele Ressourcen verbrauchen. Wer sagt, wir dürfen das, aber ihr nicht, schafft eine politische Spannung, die zur Katastrophe führen kann. Wir sind dringend darauf angewiesen, dass China unseren Interessen ein wenig entgegenkommt (und damit meine ich jetzt nicht die Interessen von Investoren in China, sondern von normalen Bürgern der ersten Welt), und das wird nur klappen, wenn auch wir ihnen ein bisschen entgegenkommen. Sprich: Man berechnet den Pro-Kopf-Verbrauch, mit dem eine nachhaltige Bewirtschaftung der Welt noch möglich ist, und dieser Verbrauch ist dann die obere Limite für alle Nationen.
Natürlich werden die USA, Europa und Japan zu kurzsichtig sein, um da mitzumachen. Denn damit würden sie nicht nur Privilegien und Macht verlieren, sondern im Moment verdienen auch zu viele Unternehmen sehr viel Geld dank China. Wo überall schon Übersättigung herrscht, ausser in Ländern, wo eh nichts geht (Afrika), ist China noch der einzige Expansionsmarkt.

Warum schreibe ich das alles? Weil es bei uns einfach so ist, dass jeder gerne etwas für den Umweltschutz tut, so lange es seinen Lebensstandard nicht beeinträchtigt. Das nenne ich Lifestyle-Umweltschutz. Er führt dazu, dass vermeintlich umweltfreundliche Aktionen gestartet werden, die alles noch schlimmer machen. Wenn zum Beispiel die Herstellung einer Solaranlage mehr Energie braucht, als sie je erzeugen kann, ist Solarenergie umweltschädlich. Ethanolmotoren verbrennen aus Pflanzen gewonnenen Alkohol. Damit handelt es sich zwar theoretisch um eine erneuerbare Energiequelle, aber so viele Pflanzen kann man gar nicht anbauen, wodurch die Nachhaltigkeit rein theoretisch bleibt. Die Böden, die sich zur Landwirtschaft eignen, sind begrenzt. Schon heute wird vielerorts (z.B. in Australien) Landwirtschaft betrieben auf Böden, die sich dafür gar nicht eignen. Wald wird abgeholzt oder abgebrannt, um Boden für die Landwirschaft zu gewinnen – das war schon immer das ökologische Problem Nummer eins. Wenn nun zusätzlich zu den Nahrungsmitteln auch noch Brennstoff angebaut werden muss, haben wir weltweit zuwenig nutzbares Land. Hinzu kommt noch die Wasserknappheit – viele Felder müssen ja bewässert werden.

Die Hybrid- und Ethanolmotoren sind nur ein Beispiel. Wir können ganz generell nicht einfach sagen: Dieser Rohstoff ist böse, verbrauchen wir stattdessen einen anderen. Die Menschheit wählt immer zuerst diejenigen Rohstoffe zur Nutzung aus, die sich dafür am besten eignen. Wenn diese durch andere, kompliziert herzustellende Stoffe ersetzt werden müssen, führt dies im Normalfall nicht zu einer Verbesserung der Ökobilanz.

Noch ein anderes Beispiel, um zu zeigen, wie kompliziert das ganze ist: Methan. Methan ist das Gas, das Kühe beim Furzen absondern. So eine Kuh furzt locker mal 150 bis 200 Liter Methan pro Tag in die Luft. Weltweit gibt es mehr Kühe als Autos, allein in Indien 226 Millionen. Das Problem ist, dass Methan den Treibhauseffekt etwa zwanzig mal stärker fördert als CO2. Rindfleisch essen ist darum möglicherweise ökologisch schädlicher als Autofahren.

Wenn wir jetzt nach Alternativen für unseren problematischen Konsum suchen, dann müssen wir extrem aufpassen, dass wir nicht stattdessen alles noch schlimmer machen. Als gewöhnlicher Einwohner ohne vertiefte Fachkenntnisse ist man da völlig überfordert – die Sache ist einfach zu kompliziert. Aber selbst Forscher können sich irren, und zwar gewaltig. Darum bin ich der Meinung, dass es nur gut kommen kann, wenn wir uns alle mässigen. Nicht mit lifestyletrendy-superumweltfreundlichen SUVs herumfahren, sondern weniger fahren. Sparsam mit Wasser und Strom umgehen. Lebensmittel aus der Region kaufen statt Rinder aus Australien und Kiwi aus Neuseeland. Solche Sachen halt. Sie beeinträchtigen unsere Lebensqualität wenig, sind einfach zu verstehen und helfen garantiert ein kleines Stück. Wer hingegen auf irgendwelche Alterantiven umsteigt und weiterhin sorglos Ressourcen verfeuert, was das Zeug hält, leistet höchstwahrscheinilich gar keinen Beitrag zum Umweltschutz.

+ 0 - 1 | § Ernährung (Bier und so)

Dieser Text ist u huren lang. Dafür möchte ich mich im Namen aller Blogger von ratioaktiv.ch entschuldigen. Und er ist auch u huren schlecht. Auch dafür möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Ich habe mich deshalb nicht getraut, die Homepage mit der vollen Länge dieses elenden Gekrakels zu besudeln. Du musst also zuerst auf den Link klicken. Auch dafür bitte ich vielmals um Entschuldigung. Bestimmt sind auch diese ständigen Entschuldigungen sehr peinlich. Da kann ich nur sagen: Sorry.

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+ 1 - 1 | § Fridolin, die letzte

Am Mittwoch entsorg ich meine Katze. Der Frido Dido wird dann ins Aargau verfrachtet. Auf eine Erklärung oder gar Rechtfertigung könnt ihr Blogleser lange warten; ich hab meine Gründe.

Le Frido wird es nachher viel besser haben. Er kommt zu einem jungen Pärchen, die Frau ist am Nachmittag immer zu Hause. Ländliche Umgebung, nicht 20 Katzen/qm, Viereinhalbzimmerwohnung im ersten Stock, mit Balkon – es wird ihm hundert mal besser gehen als jetzt. Schade ists für mich, ich hab ihn ja immer noch sehr gern. Aber auch ich werde mich nachher weniger ärgern müssen – über Menschen natürlich, nicht über Katzen.

Fridolin, ich werde dich in guter Erinnerung behalten: deinen neugierigen Blick, dein gurrendes Schnurren, deine Kampfspiele, deine Schlafstellungen (voll ausgestreckt und platt auf dem Rücken), und wie du immer versuchst, es dir auf meiner Schoss bequem zu machen, und dabei hinunterpurzelst und wieder hochkrabbelst.