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+ 0 - 2 | § Little Barrie

Ich bin krank, oder so. Richtig krank ist man nach meiner altmodischen Vorstellung nur, wenn man mindestens Fieber, Durchfall und Magenkrämpfe hat, und da ich nie Fieber habe, auch wenn es mir noch so beschissen geht, bin ich nie richtig krank. Aber jedenfalls niedergestreckt genug, um mich für nichts anderes aufraffen zu können als so ein bisschen vor dem PC zu lümmeln, mein Geld im iTunes Music Store zu verjubeln und darüber zu bloggen. Hier ein Tipp: Die Band Little Barrie hat einen Podcast, ich will jetzt nicht erklären was ein Podcast ist, aber wenn du nach Little Barrie suchst, findet du einen Eintrag, bei dem nicht «Titel kaufen» steht, sondern «Abonnieren». Darauf klicken. Du kannst dann in iTunes unter Podcasts gratis ein oder zwei Stücke der Band hören, die noch nicht erschienen sind. Es lohnt sich. Links unten gibts sogar noch ein Video dazu, das kann man auch vergrössern. Übrigens, und das ist der eigentliche Tipp, geht man auch kein Risiko ein, wenn man die Scheibe «We Are Little Barrie» dort ersteht. Groovige Sounds, sehr einfache Instrumentenbesetzung und alles tönt sehr altmodisch, so als ob man einfach ein Mic in die Mitte des Raums gestellt hat und fertig, so wie die Beatles ihre ersten Stücke aufgenommen haben (die ganze Produktion dauerte glaubs so einen halben Tag). Es ist aber auch möglich, dass ein ziemlicher Studioaufwand betrieben wurde, um die Sache so simpel und trotzdem gut tönen zu lassen. Wie auch immer, mir gefällts. Vor allem das Stück «Living In and Out of Place».

+ 0 - 2 | § Schuld sind die anderen

Orientierung ist in der heutigen Welt schwieriger als auch schon. Welt 2.0 zeichnet sich aus durch ein Überangebot an Optionen, von denen zwar die meisten deaktiviert sind, aber trotzdem verwirren. Da ist man mehr denn je froh um sichere, beständige Werte, Dinge, die sich nie ändern und auf die man sich verlassen kann. Heute möchte ich einen solchen ewiggültigen Wert vorstellen, der da heisst:

Schuld sind die anderen.

Neu ist diese Erkenntnis wie gesagt nicht, jedoch wirkt gerade die Tatsache, dass sie sich während mehrerer tausend Jahre gehalten hat, beruhigend. Was sich unabhängig von der geografischen, politischen und wirtschaftlichen Lage immer und überall durchsetzt, kann nicht falsch sein. Der Leitsatz lässt sich gleichermassen auf öffentlicher wie auch privater Ebene anwenden. Mit weltweit durchschlagendem Erfolg wurde das Konzept letztmals im Kalten Krieg umgesetzt; seither ist es auf höchster politischer Ebene aber keinesfalls in Vergessenheit geraten (der vielbeschworene Wertezerfall ist lediglich eine Erfindung unserer abendländisch-pessimistisch-christlichen Masochistenkultur), sondern wird zum Beispiel in Palästina seit Jahrzehnten äusserst eifrig und folgenreich umgesetzt. Der Leitsatz "Schuld sind die anderen" garantiert Stabilität und Kontinuität, indem er gewährleistet, dass das eigene Tun nie hinterfragt oder gar geändert werden muss. Was ihn aber zum ultimativen Knüller aller Maximen macht, ist seine grenzenlose Flexibilität. Hat man gerade keinen Juden zur Hand, dem man die Schuld in die Schuhe schieben kann, nimmt man einfach einen Amerikaner, Nachbar, IV-Bezüger oder Gebrauchtwagenhändler, was immer einem am nächsten liegt. Besonders beliebte Sündenböcke sind die eigenen Eltern, die eigenen Kinder, die Exfreundin, der Chef, die Gesellschaft an und für sich, der Nebel, Weihnachten, das kapitalistische System, Gott und die Welt. Sogar wer die anderen so effizient und systematisch ausrottet, wie es die Nazis getan haben, läuft keine Gefahr, dass es plötzlich keine Anderen mehr geben könnte, denn einerseits kann man die Definition davon, wer oder was die anderen genau sind, ja laufend anpassen, andererseits brauchen diese anderen nur als Konzept, nicht aber physisch zu existieren. Man kann zum Beispiel den Ausländern auch dann die Schuld geben, wenn es praktisch gar keine gibt (siehe Ostdeutschland).

In der heutigen Zeit wird nun dieses bewährte Konzept verfeinert und entscheidend weiterentwickelt. Dass ein Amokläufer seine Tat damit begründet, alle anderen seien Schuld an seiner schlechten Laune, zeugt schon von der ungeheuren Kraft dieses Lebensmottos. Der Amokläufer Sebastian B. erklärt in seinem Abschiedsbrief vorbeugend alle ausser sich selbst für schuldig. ("Die Menschen die sich auf der Schule befinden, sind in keinem Falle unschuldig! Niemand ist das! [...] es ist völlig irrelewand wo ich da anfange") Dass er bei seiner "Rache" keinen ausser sich selbst mit seinen zahlreichen Pistolen, Gewehren, Molotows und Messern tödlich getroffen hat, war wohl mehr ein Versehen (ich habs nicht so mit dem Unbewussten, das man hier gut ins Spiel bringen könnte). Was er den Lehrern konkret vorwarf: «das sind Menschen die gegen meinen Willen in mein Leben eingegriffen haben.» Schuld sind natürlich auch die Politiker. Diese wiederum, den Spruch «Schuld sind die anderen» schon völlig verinnerlicht, fordern reflexartig ein Verbot von Egoshootern. Dass Millionen von Menschen diese Spiele spielen, ohne im Geringsten Amok zu laufen, interessiert überhaupt nicht, denn sachliche Argumente sind bei unserem beliebten Motto völlig irrelevant. Doch zurück zu unserem Amokläufer: «Jeder hat frei zu sein! Gebt jedem eine Waffe und die Probleme unter den Menschen lösen sich ohne jedliche Einmischung Dritter. Wenn jemand stirbt, dann ist er halt tot. Und? Der Tod gehört zum Leben! Kommen die Angehörigen mit dem Verlust nicht klar, können sie Selbstmord begehen, niemand hindert sie daran!»
Zunächst scheint es, als hätten wir hier den kühnen Versuch vor uns, als Mörder oder Selbstmörder den anderen die Schuld zu geben, und zwar nicht in einem bestimmten Fall, sondern ganz generell. Damit bliebe sogar Kants kategorischer Imperativ unangetastet. Doch wie an einer anderen Stelle des Abschiedsbriefs klar wird, geht unser Sebastian B. noch einen Schritt weiter und zeigt uns, welch revolutionärer Denker er ist: "Als normal wird das bezeichnet, was von der Gesellschaft erwartet wird. Somit werden heutzutage Punks, Penner, Mörder, Gothics, Schwule usw. als unnormal bezeichnet, weil sie den allgemeinen Vorstellungen der Gesellschaft nicht gerecht werden, können oder wollen."
Mörder sind also dasselbe wie Schwule – Menschen, die diskrimiert werden, weil sie nicht den gängigen Erwartungen entsprechen. Einfach brillant, dieser Gedankengang! Schuld sind nicht mehr die andreren, nein, es gibt ganz einfach keine Schuld! So wie niemand etwas dafür kann, wenn einer schwul ist, kann auch keiner was dafür, wenn einer umgebracht wurde. Genial, oder? Dass wir da nicht früher drauf gekommen sind!

PS. Sollte dir dieser Text nicht gefallen, bist du selbst Schuld.

+ 2 - 0 | § s p a m

Die ehemalige E-Mail-Adresse gibt es nicht mehr. Es gab zu viel Spam. Ich hab mal eine neue eingerichtet, die aber nie irgendwo sichtbar werden wird. Vielleicht nützts ja ein bisschen was. Sie lautet dadaglobal, dann ein at-Zeichen und dann die Domain. Wer bei dieser Beschreibung nicht draus kommt, soll mich einfach über die Kommentarfunktion des Blogs kontaktieren.

+ 1 - 1 | § Scheisse

Ja das ist doch einfach ein huren Scheiss. Gopfertami. Seit Stunden bin ich nun daran, herauszufinden, wieso beim Kalender dieses Blogs falsche Links generiert werden, und habe immer noch nicht die geringste Ahnung. Tamisiech. Dafür funktionieren jetzt gewisse andere Dinge auch nicht mehr, die vorher funktioniert haben, obwohl ich wieder alles so hergestellt habe wie vorher. Elende Kacke.

Ach ja, noch was: So ein Scheiss.

+ 2 - 0 | § Internet-Recht

Ich bastle zur Zeit ein Wiki zum Thema Internet-Recht. Natürlich soll es um schweizerisches Recht gehen. Mir ist aufgefallen, dass man mit normalem Googeln praktisch nur Informationen zur Rechtslage in Deutschland erhält. In der Schweiz sind die Gesetze aber total anders, und sie sind gerade massiv im Umbruch. Kein Mensch weiss, was man darf. Ich auch nicht wirklich. Ich trage einfach mal Infos zusammen. Schön wäre aber, wenn sich an dem Projekt mindestens eine Person beteiligen würde, die juristisch sattelfest ist.