+ 0 - 2 | § ¶Wer ist denn da korrupt?
Wie ich im Pendlerblog und diversen anderen Blogs gelesen habe, hat 20 Minuten Links, die vom Pendlerblog auf ihre Seite führen, direkt zu einem Artikel der Süddeutschen Zeitung umgeleitet, der darüber berichtet, dass Blogger Geld verdienen mit Texten, die ein bestimmtes Produkt loben. Die Süddeutsche und Blogs, das ist übrigens eh ein Trauerspiel für sich, man gebe bloss mal Süddeutsche und Blogger bei Google ein.Mir ist vollkommen schleierhaft, wie die Leute von 20 Mintuen auf die Idee kommen konnten, dieser Artikel schade dem Image des Pendlerblogs. Offenbar wirft man bei 20 Mintuen - wie im Artikel der Süddeutschen Zeitung ja auch - einfach alle Blogger in einen Topf (diesen Schluss legen die Kommentare von Peter Wälty im Blog von Fredy Künzler nahe). Es lässt sich nur so erklären, dass man bei 20 Mintuen anscheinend die weltfremde Vorstellung hat, «die Blogger» seien eine bestimmte Gruppierung von Gleichgesinnten, und wenn einer von denen korrupt ist, dann seien es alle. Entknoten wir mal diese verworrenen Gedankengänge:
Der Mechanismus, den jeder selbst beobachten kann, ist folgender: Werbung wirkt stark inflationär. Für Werbung müssen immer hinterhältigere Formen gefunden werden, um den Konsumenten noch anzusprechen, denn dieser ist je länger je mehr abgestumpft und/oder darauf dressiert, Werbung auszufiltern. Ein klassisches Inserat hat es heute schwer, überhaupt beachtet zu werden. Besser sieht es mit bezahlten PR-Artikeln aus, besonders, wenn sie sich optisch in keiner Weise von gewöhnlichen redaktionellen Artikeln unterscheiden. Das Traurige: je skrupelloser die Vermischung von journalistischen Beiträgen mit Werbung, desto effektiver ist die Werbung, folglich auch desto besser die Bezahlung durch die werbenden Unternehmen.
Am effektivsten ist Werbung aber dort, wo sie überhaupt nicht erwartet wird. Darum werden immer neue Gebiete ausgelotet, und die Blogger stellen einfach ein solches neues Gebiet dar. Wenn nun Unternehmen zu versuchen beginnen, sich ihre eigenen (PR-gesponserten) Blogger zu halten, so hat dies überhaupt nichts damit zu tun, dass Blogger an und für sich korrupte Leute sind. Ganz im Gegenteil: dass die Werbung an Blogs interessiert ist, zeigt eben gerade, dass Blogger bis heute als relativ integer gelten.
Wer hätte ein Interesse daran, den Pendlerblog zu bezahlen? Höchstens die direkte Konkurrenz, aber den Blog gibt es schon viel länger als die Zeitung «heute». Dass mit Gratiszeitungen die seriöse Berichterstattung flöten geht, ist klar, und dass es Leute gibt, die das nicht sooo toll finden, ebenso. Pendlerblog, daran besteht kein Zweifel, verfolgt keine finanziellen Interessen, sondern verteidigt bestimmte Werte, die dem genau entgegengesetzt sind. Es gibt aber offenbar Leute, die sich nicht vorstellen können, dass jemand im weiteren Sinne arbeitet und seine Freizeit opfert, ohne dafür Geld zu bekommen. Welche Leute das sind, die sich das so gar nicht vorstellen können, ist ja auch klar: die, die das niemals tun würden. Dazu kann ich nur sagen: Wenn ich einen Beitrag leisten könnte, und sei er noch so bescheiden, um der ganzen Kapitalismuswerbemaschinerie entgegenzuwirken, eine Maschinerie, die uns zu Konsumzombies dressiert, die unsere Aufmerksamkeit mit so infamen Mitteln wie der maximalen Reizung sexueller Triebe auf sich ziehen will, eine Maschinerie auch, die sich äusserst intolerant und aggressiv gegen jeden gebärdet, der da nicht mitmachen will, wenn ich also einen Beitrag dagegen leisten kann, dann tue ich das leidenschaftlich gerne gratis und auch nachts um zwei.
+ 0 - 2 | § ¶Irrationaler Einkauf
So n Knubbelmac ist doch eine feine Sache. Ich hatte früher selber einen, hab ihn dann aber verschenkt, denn damals war das einfach alter Schrott und sonst gar nix. Jetzt hat mich aber das Heimweh gepackt. Auf Ricardo gabs einen für 30 Stutz, den musste ich dann in Arisdorf abholen. Das liegt nicht grad am Weg, ausser man will nach Basel, aber das will ein normaler Mensch ja nicht. Arisdorf ist ein Bauernkaff, wie es im Bilderbuch steht. Schöne Gegend übrigens. Ich musste auf dem Rückweg noch warten, bis ein Bauer seine 30 Kühe über die Strasse geführt hatte. Hier ist also das Teil:
Jetzt fragt sich ein Otto Normalwindows wahrscheinlich, was will denn der mit so einer alten Kiste? Eigentlich nicht viel. Es ist wirklich pure Nostalgie. Auch wenn der Würfelmac sehr vieles nicht kann, was Compis heute so können, auch wenn er sogar unbeschäftigt dröhnt wie ein Staubsauger, auch wenn heute selbst Handys mehr Rechenleistung bringen: Etwas haben diese Kisten für sich. Ich glaube, es ist die Einfachheit. Das war das Verkaufsargument von Apple. Schon 1984 gabs Würfelmacs mit einer grafischen Benutzeroberfläche, die alle wichtigen Konzepte von heute kannten: Desktop, Papierkorb, Ordner, verschiebbare und vergrösserbare Fenster, Menüs, Datenträgersymbole, etc. So ein Betriebssystem passte auf eine Diskette. Das ganze lief ganz flott auf Rechnern, die locker 500 Mal langsamer waren als heutige. Da es viel weniger Funktionen gab, war alles viel klarer und einfacher zu verstehen. Und das beste im Vergleich zu heute: Der Oldtimer-Mac tut nur das, was du ihm sagst. Es passieren nicht ständig Dinge im Hintergrund, von denen du keine Ahnung hast. Der Computer wartet auf Anweisungen des Benutzers. Heute wartet der Benutzer auf Anweisungen des Computers. [weiter]
+ 0 - 2 | § ¶Frauen und Kinder zuerst
Heute in der NZZ:Die Stadtzürcher FDP-Kantonsrätin Regine Sauter fordert in einem Postulat einen «Pilotversuch mit nachfrageorientierter Finanzierung familienexterner Kinderbetreuung.» Oha, wer solche Amtssprach-Nominalgeschwüre produziert, erweckt unweigerlich mein Misstrauen. Und tatsächlich, wenn mich nicht alles täuscht, lässt dieser Vorschlag nicht nur auf gravierende Mängel im sprachlichen, sondern auch im mathematisch-logischen Denken schliessen.
Wenn ich das NZZ-Geschwurbel richtig deute, sollen Kinderzulagen gemäss diesem Postulat nicht mehr einfach pauschal allen Eltern mit Kindern zugeteilt werden, sondern nur noch berufstätigen Müttern. Das bedeutet: Wer eh schon Cash verdient, kriegt noch Kinderzulagen. Wer aufgrund der Kindererziehung nicht arbeitet, das ganze also mit voller Hingabe macht, kriegt nichts. Denn Kinderzulagen braucht man ja nur, um Kinderkrippen zu finanzieren, und die wiederum braucht man nur, wenn man arbeitet. So weit, so schlecht die FDP-Logik. Es kommt aber noch dicker: «Sauter verfolgt mit dem Postulat explizit das Ziel, die Erwerbsquote der Frauen zu steigern. Dies sei in Zukunft, wenn die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpfe, eine wichtige Voraussetzung für eine prosperierende Wirtschaft.»
Wir stellen hierzu einmal einige simple logische Überlegungen an.
1. Um die Zahl der erwerbsfähigen Personen langfristig zu steigern, braucht es Kinder.
2. Kinder müssen betreut werden.
3. Wenn die Mütter ihre Kinder nicht selbst betreuen, muss es halt eine Kinderkrippe tun.
4. Betreuung der Kinder ist Arbeit. Diese Arbeit kostet Zeit und Geld. Ob sie von der Mutter selbst oder einer Pflegemutter verrichtet wird, spielt volkswirtschaftlich keine Rolle. (Es spielt aber eine Rolle für das Kind.)
5. Wenn die Betreuung eines Kindes in einer Krippe weniger kostet als bei der Mutter, bedeutet dies einfach, dass das Kind weniger Betreuung bekommt. Geld sparen im eigentlichen Sinn kann man so nicht, denn das eingesparte Geld geht auf Kosten des Kindes.
Gleiche Rechte und gleicher Lohn für Frauen muss sein. Aber dieses Ziel wird häufig auf eine Weise zu erreichen versucht, die nur schief gehen kann. Frauen werden zunehmend nur noch ernst genommen, wenn sie so sind wie Männer. Wenn sie die Brötchen verdienen. Wenn sie sich durchsetzen, sich aufbrauchen, wenn sie strategisch denken und das Ding kühl durchziehen, Frust herunterschlucken, hart bleiben, sachlich argumentieren, männliche Konkurrenten ausstechen, Karriere machen. Für Frauen, die «nur» Kinder grossziehen und den Haushalt führen, und denen womöglich die typisch männlichen Eigenheiten abgehen, hat unsere Gesellschaft nur noch Verachtung übrig. Das war früher nicht so. Das ist ein Rückschritt. Ich behaupte sogar: das ist frauenfeindlich. Solange die traditionell weiblichen Betätigungsfelder und die damit verbundenen Fähigkeiten nicht als gleichwertig gelten, so lange wird das auch nix mit der Frauenempanzipation. Denn im Männersein sind wir Männer halt einfach besser, da werden die Frauen immer den kürzeren ziehen, auch wenn sie sich noch so zusammenreissen, wenn sie ihre Tage haben.
+ 2 - 0 | § ¶Viele Bilder, gratis Geld, Sex usw.
Guten Tag. Mein Name ist Hase. [weiter]+ 2 - 0 | § ¶Aufstehen um 20 Uhr
Ich wusste natürlich bereits, wie es sich anfühlt, mit einem Kater zu erwachen, aber so was wie heute habe ich noch nie erlebt. Am Anfang wars gar nicht so schlimm, ich hatte zwar Kopfschmerzen und fühlte mich natürlich auch sonst nicht gerade wie Gott bei Sonnenschein, aber es lag im Rahmen eines normalen Katers, also erst mal was essen und dann würde das erfahrungsgemäss schon bessern. Ich war der festen Überzeugung, dass ich heute wie jeden Sonntag Fussballspielen gehen würde.Allerdings war essen irgendwie einfach nicht möglich, und kurz nachdem ich das eingesehen hatte, gings rapide bergab mit mir. Trotz Erleichterung durch alle möglichen Körperöffnungen besserte sich mein Befinden nicht wirklich, so dass ich erst etwa abends um acht Uhr aufstehen und in der Wohnung ein paar Schritte tun konnte, ohne dass sich gleich wieder die Eingeweide zusammenzogen und mir in Erinnerung riefen, was ich gestern ausser Alkohol sonst noch so zu mir genommen hatte. Schade, denn heute wäre ein wunderschöner Tag gewesen, so viel bekam ich noch mit, und jetzt ist nicht nur dieser herrliche Tag vorbei, sondern auch das Wochenende, und ob ich jetzt schlafen kann, nachdem ich 14 Stunden im Bett gelegen habe, ist auch nicht so sicher.
Natürlich ist das alles gar nicht schlimm, vor allem jetzt, wo es vorbei ist. Aber ich muss mich doch fragen, was mich dazu treibt, mir immer wieder so was anzutun. Überhaupt, diese Sauferei immer, auch zu Hause, was soll der Scheiss? Da muss irgendwie so ein Gefühl sein von "ich will jetzt auch mal was haben vom Leben", ein Gefühl, dass es sonst zu langweilig ist, dass man ein unerfülltes Leben mal rasch mit Alkohol füllen kann, und obwohl der Verstand genau weiss, dass das Quatsch ist, passiert es immer mal wieder. Hier wäre mal eine Ursachenbekämpfung angesagt.
