+ 0 - 2 | § ¶Back in the USSR
So, nach einer kurzen Besprechung mit Schwester Wyborowa schaff ich nun doch wieder mal einen Blogeintrag. Ich bin nur back in Zurich, aber nachdem ich mir gestern in Lugano noch die Lippen verbrannt hatte (von der Sonne, das ist dieser grosse helle Himmelskörper, der hierzulande auch schon mit dem Teleskop beobachtet worden sein soll) und dann auf der anderen Seite des Gotthard mit Schneefall empfangen wurde, passt der Titel zumindest gefühlsmässig.Hier noch das Wort zur WM:
Immer erwies sich das behagliche Gefühl, etwas zu verstehen, als unbeständig, und nur wenn sich Wank eine Fussballübertragung anschaute, konnte er sicher sein, dass es ihm wenigstens während neunzig Minuten lang erhalten blieb.Dies stammt von Markus Werner («Die kalte Schulter»), einen Autor, den ich immer sehr gern zitiere, dessen Bücher voll sind von Weisheiten, die man anstreichen möchte. Obwohl die Hauptfigur in eben diesem Buch selbst damit Probleme hat:
Zwar waren, wie Wank beim Blättern bemerkte, einzelne Sätze oder Passagen mit Bleistift angestrichen, aber als er diese Stellen las, sagten sie ihm nichts, selbst wenn sie am Rand mit einem Ausrufezeichen versehen waren. Es handelte sich meist um irgendwelche Lebensweisheiten, die den handelnden Personen leicht von den Lippen flossen und die Wank jetzt, obwohl sie ihm einmal imponiert zu haben schienen, nur noch ärgerten.Am Samstag erschienen in der NZZ verschiedene Artikel, in denen Autoren ihre persönlichen Erfahrungen mit Robert Walser schilderten. Lukas Bärfuss war offenbar früher einer, der Literatur nur als Wissensvermittlung begriff. (Eine mir schleierhafte Vorstellung, die ich zutiefst verabscheue; aber es erklärt z.B., weshalb viele Philosophen so grauenhaft schlechte Romane schreiben.) Mit Walser konnte er darum natürlich nicht so viel anfangen, wusste aber nicht, wieso. Dann stiess er auf eine Passage in Robert Walsers «Räuber», wo es klipp und klar heisst:
(...) baue ich hier ein besonnenes Buch auf, aus dem absolut nichts gelernt werden kann. Es gibt nämlich Leute, die aus Büchern Anhaltspunkte fürs Leben herausheben wollen. Für diese Sorte sehr ehrenwerter Leute schreibe ich demnach zu meinem riesiggrossen Bedauern nicht.
Wer Walser kennt, kann dem nur zustimmen. Dass er das nicht nur tut, sondern auch noch sagt, er tue es, find ich schon ganz, äh, ja, geil, aber trotzdem würd ich nicht sagen, dass man aus Literatur prinzipiell nichts lernen kann oder sollte. Der Herr Bärfuss scheint auch nicht bemerkt zu haben, dass das obige Zitat ja selbst eine Art Lebensweisheit ist, nämlich: versuche nicht immer, aus Büchern was zu lernen.
Tja, Robert Walser ist der Hammer. Aber man darf das im Moment nicht sagen, wie Peter Bichsel richtig erkannt hat, denn alle sagen es. Solange Walser auf dem Seziertisch der Germanisten liegt, ist er nicht besonders lebendig. Dass er trotzdem nicht ins Reich der Untoten überführt werden kann wie Freud oder Marx, liegt an seinem Werk, das quasi eine Liveübertragung des Lebens ist. Da bleibt keine Zeit für Lebensweisheiten. Adieu.
+ 0 - 2 | § ¶She Came In Through The Bathroom Window
Ein Blog eignet sich ja ausgezeichnet als Endlager für unwichtigen Schrott, den man einfach mal los werden muss. Heute morgen, die Augen noch verklebt vom beginnenden Heuschnupfen, begrüsste mich nach dem Duschen der Tag draussen im Flur in Form einer Wespe. [weiter]+ 0 - 2 | § ¶Provisorische Antworten auf ewige Fragen
Ich habs versprochen, also:Sinn des Lebens: Das Leben hat nicht per se einen Sinn. Aber man kann sich eine Lebensaufgabe geben. Eventuell wird sie einem auch gegeben.
Wie man glücklich wird: Dazu braucht man Glück. Und man sollte nicht ständig versuchen, glücklich zu sein.
Was die Welt im Innersten zusammenhält: Der Physiker sagt: Gravitation. Alle anderen sagen: Die Liebe. Was letztlich dasselbe ist.
