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Wenn ich gerade ein Logorrhoe-Geschäft abgeschlossen habe, speichere ich das ganze nicht selten auf dem Desktop, weil ich zu faul bin, um ein Verzeichnis zu suchen, wo ich die Wörter deponieren könnte. Und weil der Inhalt schwer zu beschreiben ist bzw. ich zu faul dazu, gibts keinen rechten Titel. So befinden sich auf meinem Desktop zahlreiche Dateien mit den Namen «sdfsdfs.rtf», «afagsdgfg.rtf» etc. und natürlich die Klassiker «Dokument.rtf» und «Ohne Titel.rtf». Selbstverständlich weiss ich schon am nächsten Tag nicht mehr, welcher Text in «sdfsdfs.rtf» und welcher in «afagsdgfg.rtf» gespeichert ist. Beispiele von solchen Faulheiten kennt jeder. Auf diese Weise gelangt man zum Beispiel zu einer CD-Sammlung von 500 CDs, bei welcher in jeder Box eine andere CD drin ist als die, die es laut Hülle sein müsste.Generell gilt: Faulheit rächt sich. Aber wenn gewisse Dinge wegen der eigenen Faulheit bzw. Dummheit etwas umständlicher werden, hat das den Vorteil, dass man nicht in Verdacht fällt, ein Bünzli zu sein. Seltsamerweise finden recht viele Menschen (insbesondere jüngere Männer) nämlich alles bünzlig, was einem das Leben erleichtert. Zum Beispiel Werkzeuge: Wie bünzlig, eine Schraube mit einem passenden Schraubenzieher zu lösen anstatt sie mit dem einzigen vorhandenen aufzuwürgen. Oder in der Küche: Für ein Fleisch ein anderes Messer verwenden als fürs Brot? Wie bünzlig! Nach Rezept kochen? Noch bünzliger! Wenn es nach diesen Leuten ginge, müsste ich so leben, dass ich auch die simpelsten Verrichtungen des täglichen Lebens nur mit viel Zeit und Mühe bewältigen kann. Nein danke, aber wer das möchte, der darf das von mir aus gerne tun, ich habe kein Problem damit. Ein Problem habe ich nur mit Leuten, die einem immer erklären wie man leben soll und wie nicht. Das finde ich bünzlig.
Zurück zur Unordnung auf dem Desktop. Was ich an heutigen Computern so faszinierend finde, ist die Möglichkeit, praktisch alles wieder rückgängig zu machen.Die letzten 100 Arbeitsschritte im Layoutprogramm. Das Löschen. Sogar der Vorgang des Rückgängigmachens lässt sich rückgängig machen. Nur wenige Vorgänge haben definitive Konsequenzen, und entsprechend verhält man sich. Man klickt einfach mal drauflos, bestätigt Warnmeldungen, ohne sie zu lesen, schreibt Sätze in Echtzeit, also bevor man sie zu Ende gedacht hat.
Ob das auch Auswirkungen aufs Verhalten im «real life» hat? Keine Ahnung, ich glaube eher nicht.
Aber jeder gelangt mal an den Punkt, wo man sich einen Undo-Button wünscht. Vielleicht auch einen Neustart, oder gar eine Festplatteninitialisierung.
Ich fahre mich jetzt herunter.
