+ 0 - 2 | § ¶Tram Nr. 30. Ein Lebertram.
tram nr. 30. ein lebertram.Guten Abend liebe Leber, lieber Leser, und o du mein Psychohygienebeutel
Ich fahre ja prinzipiell nicht mehr tram, weil ich aus 8 jahren züricity-erfahrung weiss, dass tramfahren einfach das letzte ist. das machen nur leute, die zu altersschwach oder zu agglomerativ sind, um aus eigener kraft veloziped fahren zu können, oder dann tussis und gecken, die so eitel sind, dass sie sich um nichts in der welt ihre schön zurechtgezimmerte frisur zertrümmern wollen. kälte ist übrigens kein argument gegen velo, nur ein weiteres gegen tram, denn wenn man 10 minuten an der haltestelle wartet, friert man viel mehr als wenn man sich auf dem fahrrad warm hält.
aber heute ging es leider nicht anders, weil ich zügelkartons von einem freund abholen musste, und die waren so sperrig, dass an velo nicht zu denken war. an auto übrigens auch nicht, da mein kumpel mitten im zentrum wohnt, und das ist besonders um 18.30 abends mit dem auto nicht so lustig. also tram. hin kam ich erstaunlich gut, sogar pünktlich, was sonst nie vorkommt mit dem tram. zurück - da musste ich auf dem paar-ade-platz umsteigen, und
19.01 D. (30) steigt aus dem Tran Nr. 13.
19.05 D. merkt, dass es stärker zu schneien beginnt.
19.09 D. findet, dass der Tran Nr. 11 langsam kommen dürfte.
19.14 Aus den Lautsprechern vernimmt D., dass es eine Kollision am SchaffhauserPLZ gegeben habe und wird um Verständnis gebeten. D. hat Verständnis, findet aber, dass ihn das eigentlich nichts angehe.
19.18 Der Schneefall kombiniert sich zusehends mit eisigkaltem und starkem Wind. Salzige Zweifel kochten in Ds armen, gemarterten Schädel, etwa wie Sauerkohl. D. hat das ungute Gefühl, dass ihn die Kollision trotzdem etwas angehen könnte.
19.23 Der Tran Nr. 13 und Tran Nr. 7 fahren bereits zum vierten Mal an D. vorbei. Das man keines dieser Trans zu einem 11 (ist schliesslich auch eine Primzahl) umfunktionieren kann, dafür hat D. leider kein Verständnis.
19.26 D. schreibt in Gedanken einen Brief an die VBZ.
19.28 Ein zum 11er umfunktionierter 13er erreicht den Paar-ade-Platz.
D. hat keinen Sitzplatz und nimmt stehend Platz neben einem stehenden stehend K.O.en Schwarzen, der etwa zwei Minuten lang vollkommen stoned versucht, eine Packung Schinken aufzureissen.
19.34 Der Gesteinte versucht sich gegenüber D. zu artikulieren, und obwohl auch das nicht gelingt, wäre ja klar, was er will und braucht, doch D. ist gerade gar nicht in hilfsbereiter Stimmung und schnappt sich den nächsten Sitzplatz.
19.45 D. kommt langsam nach Hause.
Liebe VBZ
Die Leute mitten in der Stosszeit an einem der am stärksten befahrenen Plätze Zürichs eine halbe Stunde warten zu lassen, das ist lächerlich. Noch lächerlicher ist aber, dass Sie es nicht einmal schaffen, sie zu informieren. Bedenken Sie, in einer halben Stunde hätte ich sogar zu Fuss nach Hause gehen können, wenn ich gewusst hätte, dass es so lange dauert. Kein Problem! Ist immer noch schneller als Tramfahren, und man friert weniger.
Mit freundlichen Grüssen
Frl. Prof. Dr. August Bolte
