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Keine Zielgruppe

+ 0 - 1 | § I love to hate

Es ist schon seltsam: Eigentlich weiss ja jeder normalschlaue Mensch,dass jeder Weg im Leben, der irgendwohin führen soll, nur über die Liebe gehen kann. Dennoch übt der Hass eine unwiderstehliche Faszination aus. Das geht so weit, dass ich es liebe, bestimmte Dinge oder Leute zu hassen. Das geht sogar so weit, dass es mir Spass macht, eine umfassende Liste zu erstellen von Dingen und Personen, die mir so richtig auf den Sack gehen. 

Dummerweise sagt es ja jeweils mehr über einen selbst aus als über das Objekt, wenn man etwas bestimmtes besonders hasst. Erstens darum, und zweitens, weil man nicht jeder bösen Versuchung nachgeben soll, verkneife ich es mir, die Liste hier zu publizieren (obwohl es noch ganz lustig wäre).

+ 2 - 0 | § Spaghetti alla Carbonara

Einleitung

Mit den simpelsten Zutaten und noch simplerer Zubereitungsweise schafft es das Gericht Spaghetti alla Carbonara, gegen sämtliche Regeln der koscheren Küche zu verstossen. Dem Erfinder der S.C. darf jedoch deswegen nicht unterstellt werden, er habe dieses Rezept einzig zu dem Zweck erfunden, seine jüdischen Freunde zu ärgern. Denn die italienische Küche ist generell darauf optimiert, mit möglichst einfachen Mitteln einen Gaumenkitzel besonderer Art hinzuzaubern.
Die Entwicklungspsychologie teilt das Leben eines Menschen im allgemeinen in zwei Abschnitte ein: die Zeit, bevor er zum ersten Mal mit S.C. in Kontakt kam (B.S.C.) und die Zeit danach (anno S.C.). Vor der ersten Erfahrung mit Spaghetti Carbonara ist das menschliche Ich durch eine tiefe Unsicherheit und Orientierungslosigkeit sowie eine starke Abhänigkeit von erfahrenen Bezugspersonen geprägt, während der Erwachsene, S.C.-erfahrene Mensch gefestigt, selbstsicher und gelassen erscheint.
Forschungen jüngerer Zeit haben jedoch die These erhärtet, dass nicht der einmalige Verzehr von S.C. das menschliche Ich ein für allemal vom Zustand seelischer Verpeilung erlöst, sondern dass dazu wiederholte Versuche notwenig sind. In der Regel ergibt sich dies von selbst, da S.C. praktisch vom ersten Mal an körperlich süchtig macht. Studien von Versuchspersonen, die unmittelbar nach dem ersten Mal S.C. sogleich nach Kambodscha entführt wurden  (vgl. Phnom Penh, 1978 und 2001), zeigen allerdings eindrücklich, dass der förderliche Einfluss von S.C. mit der Zeit wieder nachlassen kann.
Ausserdem muss betont werden, dass es auch vollwertige Ersatzgerichte für S.C. gibt. Vergleiche dazu “Die polnisch-jüdische Küche in 69 Rezepten” von Robert G. Mehlman, seines Zeichens Romanheld und professioneller Hedonist.

Anwendung

Es ist daher jedem zu raten, sich von Zeit zu Zeit selbst leckere Spaghetti alla Carbonara zuzubereiten. Dies ist nun wirklich kein Problem: man kauft im Coop (jawoll, nicht in der Micros) Bio-Speckwürfel (jawoll, Bio, du Budgetgesicht) sowie Freilandeier (jawoll, Freiland, du Batteriesäurehirn), Spaghetti (besser noch: Spaghettini) und Butter hat man ja zuhause, und dann vielleicht noch etwas Rahm. Oder nicht nur vielleicht. Rahm gehört schon dazu. Knoblauch ist auch nicht schlecht, muss aber nicht sein. Dann brutzelt man diese Speckwürfel in einer Bratpfanne zusammen und natürlich kocht man die Spaghetti (vorher schon beginnen), und wenn die Spaghetti al dente sind, lässt man das Wasser ab und schmeisst alles zusammen in eine Pfanne (Pasta, Speck, Ei, Rahm, Reibkäse, Knoblauch, Pfeffer). Noch ein bisschen umrühren. Fertig. Ein Kinderspiel.

Spaghetti alla Carbonara im Restaurant

Das ist heikel. In italienischen Kneipen ist es ja eh schon so, dass der erste Gang mehr umfasst, als ein Bürogummi oder eine linienbewusste Frau (ich rede jetzt nicht von Kokain) je aufs Mal zu sich nehmen könnte. Bei Spaghetti alla Carbonara trifft das allerdings in extremem Mass zu. Die S.C. werden in der Regel auf eigens dafür erfundenen Spezialteller serviert, die so gross sind, dass man sie problemlos auch als Tischplatte verwenden könnte. Und wenn man nicht sein Gesicht verlieren und sich als barbarischer Nordeuropäer outen will, muss man nach diesem ersten Gang selbstverständlich noch den Hauptgang, der natürlich grösser und deftiger ist, äh, einverleiben.
Wenn man jedoch gerade einen Temporärjob auf dem Bau hat oder findet, man müsse jetzt Triathlon machen, ist Spaghetti alla Carbonara auch im Restaurant eine gute Alternative.

Buon appetito!

+ 0 - 2 | § N keiner Test

bla